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ARS MORTA - Special

(ursprünglich gedacht für debil#6)

Sehr lange schon in meinem Plattenschrank vorrätig und bei den Rezensionen doch immer wieder durchgerutscht, sind die "Produkte" aus dem Ars Morta Universum, namentlich SKROL, Seismic Wave Factory, Einleitungszeit und VO.I.D., die an dieser Stelle endlich einmal gewürdigt werden sollen. Das neueste Release des AMU ist Aghiatrias.

 

SKROL - Heretical Antiphony / Insomnia Dei
(CD, Membrum Debile Propaganda / A.M.U.)

SKROL, das ist oder besser gesagt war das Projekt von Vladimir Hirsch, Martina Sanollova und Tom Saivon. Hirsch, Komponist und Schöpfer des SKROL'schen Klanguniversums hat eine unüberhörbare Vorliebe für schwere theatralische Stücke voller Dunkelheit und Kälte. Der rezitative Gesang von Martina verstärkt die mystische Stimmung ins rituelle. SKROL erschlagen mit ihrem Sound den Zuhörer, ähnlich wie die Schweden In Slaughter Natives. Dass das Ganze dabei nicht seelenlos wirkt, ist der extremen Intensität zu verdanken, die das Trio mit seinen Werken aufbaut. Vergleiche zur Musik von Wagner sind jedoch unangebracht, da die Tschechen vornehmlich aus eigenen kulturellen Quellen schöpfen (Kabalac, Eben, Stravinsky, Dalio, J. Schwarz).
Riesige Unterschiede zwischen beiden Veröffentlichungen sind nicht festzustellen. Das später entstandene "Insomnia Dei"-Album weist mehr Brüche auf, Tempowechsel, Zwischensequenzen, die den Sound etwas abwechslungsreicher gestalten. Auch wird dem (an)klagenden Gesang von Martina, und der Sampling-Arbeit von Tom mehr Platz eingeräumt. Eine fast übermenschliche Gewalt, eine Spur Gothic Horror prägt jedoch beide Werke. Auch wenn die Stücke nie langsam sind: Zum Tanzen eignet sie sich nicht, viel mehr zum Zuhören und sich treiben lassen. Nahezu zwangsläufig entstehen dabei Bilder im Kopf von marschierenden römischen Legionen oder ähnlichen gigantischen, maschinenhaften Bewegungen. Natürlich kann man dazu auch etwas anderes assoziieren, wirklich freundlich wird der Film im Kopf jedoch nie werden.

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Seismic Wave Factory - Morbid Symphony Pt. 1 & 2 / Finis Gloria Mundi
(CD-R, Membrum Debile Propaganda / Eigenverlag)

Bereits 1999 beim Weikersheimer Label MDP erschienen sind die Seismic Wave Factory-Werke "Morbid Symphony Pt. 1 & 2". Wie der Name schon sagt, bedient das Ein-Mann-Projekt von "Frederico Krugorini" hier keine popmusikalischen Strukturen sondern eher klassische Formate. Die einzelnen Stücke sind auch dementsprechend lang, "Morbid Symphony Pt. 2" besteht aus einem einzigen Track von fast 45 Minuten Länge. Für Tanzwütige gibt es also auch hier nichts zu holen.
In Punkto Dunkelheit kann Seismic Wave Factory durchaus mit den Kollegen von SKROL mithalten. Der Sound ist jedoch nicht so übergroß, sondern zurückhaltender, fast schon kosmisch-psychedelisch entrückt. Die einzelnen Stücke entwickeln und verändern sich im Laufe ihres Fortganges meist langsam aber sicher. Unzählige Samples, feingliedrige bis schräge Noises und spärlich eingesetzte Beats, die häufig genug mehr ein Knistern sind, ergeben gemeinsam mit distanzierten bis dominierenden Drones ein vielschichtiges, sehr dichtes Klanggebilde, das den Hörer gefangen nimmt. Als Begleitmusik für Trips sind die Symphonien aber nur für seelisch gefestigte Mitmenschen empfehlenswert, da das Morbide doch sehr dominant ist.
In eine etwas andere Richtung geht das 2000er Seismic Wave Factory-Werk "Finis Gloria Mundi". Im Prinzip ähnlich aufgebaut wie die Symphonien präsentiert sich der Sound diesmal wesentlich brachialer und erinnert zeitweise an die Labelkollegen Einleitungszeit. Deutlichere Rhythmusstrukturen und brutzelnde Noises bauen eine vordergründig bedrohliche Atmosphäre auf. Alles wirkt wesentlich chaotischer und erdiger, wie ein Soundtrack zum geistigen Zustand der Menschheit ;-). Der "rollende" Charakter der Basisnoises legt Vergleiche zu Death Squad nahe, ebenso wie die mantrahaft wiederholten Sprachsamples in einigen Stücken.

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Einleitungszeit - Doba Úvodu / Auranoise
(CD, Einleitungszeit / Ars Morta)

Werke von Einleitungszeit zeichnen sich stets durch ein wunderbares Artwork aus. So kommt die "Doba Úvodu"-CD in einer geätzten Metallbox daher, während sich der "Auranoise"-Tonträger zwischen zwei kunstvoll mit Draht umwickelten Pappen verbirgt. Eigentlich ist es immer zu schade, diese Sachen zu öffnen. Wer sich das Ganze allerdings nur in den Schrank stellen will, der verpasst wirklich etwas.
Der Name Einleitungszeit steht für extrem dunkle Klangwelten, für kratzendes, schabendes Eisen, für entmenschlichte Stimmen, für metallische Perkussion und viel Noise. Hier ist wenig Platz für Barmherzigkeit, häufig genug wird das Frequenzspektrum bis zur Schmerzgrenze ausgereizt. Muse für besinnliche Momente bleibt kaum. Die Geschwindigkeit bewegt sich meist im mittleren Bereich, gelegentliche Ausbrüche inbegriffen. Basslastige Drones bilden das Fundament für eine atmosphärische Improvisationsmusik, die mit häufigen Tempo- und Lautstärkewechseln dem Zuhörer einiges an Konzentration abverlangt. Wer keine bösen Überraschungen erleben will, sollte die Lautstärke seiner Anlage vorab mit der allseits beliebten "Peak Search"-Funktion austarieren.
Einleitungszeit ist Klang gewordener Schmerz, eine akustische Meditation über das Leid des Menschen in der maschinellen Kälte der Gegenwart. Die Musik von Richard Norg als Power Noise zu bezeichnen, trifft den Kern der Sache jedoch nicht, da er sich anderer Ausdrucksformen bedient. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem Genre lassen sich auf "Doba Úvodu" und auf "Auranoise" jedoch auszumachen. Wesentlicher Unterscheidungspunkt zwischen beiden CDs ist die Länge der Stücke. Während das 1999 erschienene "Doba Úvodu" noch aus fünf überlangen Stücken besteht, bewegen sich die "Auranoise"-Tracks alle um die sechs, sieben Minuten Dauer. Das spricht dafür, dass die Künstler wesentlich planvoller zu Werke gehen und die reine Improvisation ein wenig in den Hintergrund tritt. Strukturell sind jedoch kaum Änderungen festzustellen, dafür tritt auf "Auranoise" die bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Stimme Martin Kyber's in den Vordergrund. Ein wenig aus der Reihe fällt der fast meditative Titeltrack, der mit weiblichen und männlichen Rezitationen arbeitet, gegen Ende jedoch wieder von infernalischen Geräuschattacken pulverisiert wird. Das ist wirklich alles kein Spaß.

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VO.I.D. - Zyihen
(CD, Ars Morta Universum)

Schon etwas älter ist dieses Werk, auf dem hörbar das Chaos dominiert. Schrille verzerrte Stimmen, noisige Sounds, maschinelle, meist hintergründig agierende Midtempo-Beats wechseln ab mit an SKROL erinnernden gothischen Klangmonstern kombiniert mit wirren Soundfetzen. Im Gegensatz zu den als Referenz genannten Labelkollegen, gehen VO.I.D. wesentlich schwungvoller zur Sache, klassische Bezüge existieren praktisch keine. Mitwirkende bei VO.I.D. sind Martin "Kyber" Jarolim, der sich später bei Einleitungszeit's "Auranoise" betätigt, Vojtech Hanka, meines Wissens Mastermind von S.W. F. sowie special guest Miroslav Zahansky. Was die drei Herren da zusammengebrutzelt haben, ist ein einziger akustischer Alptraum, der sicher selbst manch hartgesottenen Fan der Geräuschmusik überfordert. Für den dauerhaften Konsum eher ungeeignet, bietet "Zyihen" die ideale Begleitung für die Beschäftigung mit Mord, Totschlag und Wahnsinn. Genesis P. Orridge hätte sicher seine helle Freude daran.

 

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