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V.A. - Lords Of Chaos, Die Geschichte der okkulten Musik
(2-CD Prophecy)

"Lords Of Chaos", das gleichnamige Buch von Michael Moynihan und Didrik Söderlund ist dieser Tage, begleitet von einigem Medienrummel, auf Deutsch erschienen. Während das Buch, die im Untertitel der CD erwähnte "Geschichte der okkulten Musik" nur kurz anreißt und sich sonst dem "Satanischen Metal" und dessen "blutigem Aufstieg aus dem Unterground" widmet, wird der vorliegende Tonträger seinem Anliegen gerecht. Alles beginnt beim Urvater des modernen abendländischen Okkultismus, ALEISTER CROWLEY. "Das große Tier 666", der sich selbst nie als Satansanhänger bezeichnete, ist mit einer der wenigen erhaltenen Wachsmatrizenaufnahmen vertreten, einem Auszug aus "The Great Beast Speaks" (veröffentlicht bei DISGUST). Auf Crowley folgt ROBERT JOHNSON, ein geheimnisumwitterter alter Blueser aus den 1930ern. Johnson stand, wie viele seiner Musikerkollegen, im Verdacht, dem Teufel seine Seele verschrieben zu haben. Seine "überirdische" Spielweise nährte dieses Gerücht. Danach folgt der erste große Zeitsprung in die (End)Sechziger, die uns mit COVEN und BLACK WIDOW eindrucksvolle psychedelisch-mystische Rockmusik bescheren. Besonders bei letzteren kreist der Joint mental recht heftig. Eingerahmt von den satanischen Rockern präsentieren sich theatralisch BLACK SABBATH mit ihrem wieder zu Ehren gekommenen Frontmann Ozzy Osbourne, der sich durch das sinistre Stück "Black Sabbath" heult und schreit. Danach darf Bobby Beausoleil ans Werk, manchem bekannt aus dem Charles Manson-Umfeld (selbiger fehlt leider), der ein verträumt düsteres Stück Filmsoundtrack bietet. Funktionell in die selbe Kerbe schlägt MICK J (kein geringerer als Rolling Stones-Frontmann Jagger), dessen Beitrag jedoch eher elektronisch-experimentell daherkommt. Beide Stücke stehen in Zusammenhang mit Filmen von Kenneth Anger, einem bekannten avantgardistischen Filmregisseur und Freund von Anton Szandor LaVey, dem Gründer der Church Of Satan. Nach diesem Vorgeplänkel beginnt die metallische Seite von CD 1. Natürlich dürfen VENOM hier nicht fehlen, die englischen Prolo-Satanisten, die mit ihrem Klassiker "Black Metal" dem Genre seinen Namen gaben. Weiter geht es mit den einflussreichen MERCYFUL FATE und ihrem charismatischen Frontmann King Diamond, der als einer der ersten das typische Corpse Paint zur Schau trug. King Diamond, selbst Mitglied von LaVey's Church Of Satan zählt mit seinem profunden Kenntnissen der Materie dabei zu einer kleinen Gruppe Eingeweihter. Die folgenden SODOM aus Deutschland sind ein gutes Beispiel für die andere Seite der Medaille, setzen sie doch Satanismus vorrangig als Schockelement ein. Kaum anders verhielten sich HELLHAMMER in ihrer Anfangszeit. Später ließen die Schweizer auch eigentlich christliche Themen wie die Erwartung einer apokalyptischen Endzeit in ihre Texte einfließen und entfernten sich damit vom platten Evil-Sein.
Den Abschluß von CD 1 bilden wiederum drei metal-freie Stücke: Zum einen Industrialpionier MONTE CAZAZZA mit einer primitiv-hypnotischen Hymne an den "Stairway To Hell", LAVEY mit einem seiner skurrilen Orgelstücke und zu guter letzt ein Werk von GENESIS P. ORRIDGE. Mit seinem Projekt PSYCHIC TV bringt uns der TG-Gründer und O.T.O. Mitglied Orridge wieder Meister LaVey in gesampelter Form nahe, der sich hier akustisch mit einem Papst ein Fernduell liefert.
CD2 beginnt wiederum mit Herrn LaVey und einem Ausschnitt aus seiner "Satanic Mass". Das ist die optimale Einleitung für die folgenden genreprägenden Epen von BATHORY, UNLEASHED, MAYHEM, DARKTHRONE, EMPEROR, ULVER und THORNS. Bis auf Burzum sind damit die wichtigsten Vertreter des Black Metal und seine Vorläufer vertreten. Für das Fehlen von Varg Vikernes Projekt ist jedoch nicht Michael Moynihan's Nachlässigkeit verantwortlich, sondern der dumpf-rassistische Wunsch des Burzum-Machers, nicht "mit einem Neger auf der selben Platte zu erscheinen" (s. Robert Johnson). Wer nicht will, der hat halt! Wie auch immer - es geht auch ohne ihn. Ebenfalls noch irgendwie dem Black Metal-Genre zuzuordnen sind APRUPTUM mit dem bösen Zwerg IT, die jedoch ganz untypische, fast industrielle Klänge abliefern. Die folgenden ELECTRIC HELLFIRE CLUB steuern dann wieder in Richtung eines Heavy Metal mit deutlichen Industrial Rock-Einflüssen. WHITE STAINS aus Schweden bewegen sich eindeutig in gitarrenpopmusikalischen Gefilden, der satanistische Bezug entsteht vor allem über den kreativen Kopf der Band. Carl Abrahamsson war lange Zeit Übersetzer und Repräsentant der Church of Satan in seinem Land. Ebenfalls Funktionär der Kirche ist Peter H. Gilmore, der mit einer Nietzsche-Rezitation erfreut, erneut gefolgt von seinem ehemaligen Chef LaVey.

Das Booklet zur Doppel-CD lässt kaum Wünsche offen. Wer keine Lust hat, in das Buch zu investieren, kann sich auch hier ganz gut über die Entwicklung der satanischen bzw. okkulten Musik informieren. Die Auswahl von Mr. Moynihan ist sicher subjektiver Natur. Zum Durchhören der CDs ist jedoch ein wenig musikalische Offenheit erforderlich. Die Spannweite von experimentell bis hin zu extremsten Metalspielarten wird sicher nicht jedermanns Geschmack sein. Aber niemand hat gesagt, es würde leicht werden… Unabhängig davon, ist dieser erste Versuch das Thema zu behandeln, hoffentlich nicht der letzte. Zu entdecken gibt es garantiert noch eine ganze Menge.

Titel CD1:
1. Aleister Crowley - The Pentagram 2. Robert Johnson - Me And The Devil Blues 3. Coven - The Portrait 4. Black Sabbath - Black Sabbath 5. Black Widow - Sacrifice 6. Bobby Beausoleil - In The Temple Of The Moon 7. Mick J - Invocation Of My Demon Brother 8. Venom - Black Metal 9. Mercyful Fate - Come To The Sabbath 10. Sodom - Outbreak Of Evil 11. Hellhammer - Triumph Of Death 12. Monte Cazazza - Stairway To Hell 13. Anton Szandor LaVey - The Satanic Hamboo 14. Genesis P. Orridge and Psychic TV - Supermale

Titel CD2:
1. Anton Szandor LaVey - Black Mass Opening Hymn 2. Death SS - Black Mass 3. Bathory - Twilight Of The Gods 4. Unleashed - Ride Into Glory 5. Mayhem - Freezing Moon 6. Darkthrone - A Blaze In The Northern Sky 7. Emperor - The Burning Shadows Of Silence 8. Ulver - (…) 9. Thorns - Stellar Master Elite 10. Apruptum - Massdöd 11. The Electric Hellfire Club - Age Of Fire 12. Peter H. Gilmore - What Is God? 13. White Stains - Take It From Me 14. Anton Szandor LaVey - Black Mass Closing Hymn

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