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Nachzehrer - Teen Taken From A Tent By Aliens (CD)
Nachzehrer - Devil's Kiss (EP-CD, beide Nanopop)

Nachzehrer? Wer hat denn sich diesen seltsam blöden Namen ausgedacht? Das Studium der einschlägigen Fachpresse bringt Aufklärung: Nachzehrer sind eine Art Vampire, die lebende Menschen zu sich in den Sarg zerren und vernaschen. So erklärte man sich früher die schmatzenden Geräusche, die aus so mancher Gruft drangen. Aha, also Gruftimucke! Mitnichten! Nachzehrer sind, wie es der Name ihres Labels nahe legt, Pop, wenn auch nicht dass, was man landläufig darunter versteht. Laut Waschzettel "portiert (die Band) den Sound der 80er Jahre - den sie selbst als Avantgarde-Künstler mitgestaltet haben - in die Gegenwart und weit darüber hinaus." Also Future Pop? Trifft es aber auch wieder nicht so richtig. Dafür hängen die Nachzehrer viel zu sehr am traditionellen Liedgut, schaffen mit Unterstützung von Computer und Gitarre eingängige Melodien, denen die einprägsame Stimme von Sänger Soha ihren Stempel aufdrückt. Die sonst so häufig im Vordergrund stehenden treibenden Beats sind integraler Bestandteil der Songs, die durch Minimal-elektronische Arrangements und noisige, jedoch weit nach hinten gemischte Gitarren ihr charakteristisches Gesicht erhalten. Was sich so kompliziert anhört, ergibt im Endeffekt einfach gute Popsongs, die schnell im Ohr haften bleiben und trotzdem genügend Tiefe haben, dass sie nicht schon nach dem zweiten Hören langweilen. Die Vorab-Single "Devil´s Kiss" beweißt ebenso das Potential dieser Band, wie der auf dem Zillo-Sampler (11/02) vertretene Smasher "Big Big Big Big Love", "I Like Susan" oder das schmachtende "Honey Kills". Nachzehrer werden sicher keine Eintagsfliege sein, immerhin gibt es die Band schon eine ganze Weile. Und dass die Musiker in den 80ern einen Major-Deal platzen ließen, um ihre musikalische Eigenständigkeit bewahren zu können, macht Hoffnung auf die Zukunft.

Die bereits erwähnte Vorab-Single "Devil´s Kiss" kommt als EP daher, auf der neben dem titelgebenden Track in drei Versionen noch drei weitere Stücke vertreten sind. Das Ganze ist denn wohl auch mehr als Werkzeug für den DJ- bzw. Radio-Einsatz zu verstehen, denn wozu man drei Remixe des selben Liedes braucht, sei einmal dahingestellt. Beim Clubmix werden tanzflächenkompatibel die Beats nach vorne gemischt, die Maxiversion wird mittels eines gothisch-spährisches Intros auf Länge getrimmt. Wirklich überwältigend ist das beides nicht. Wesentlich mehr Beachtung verdienen die drei zusätzlichen Tracks, von denen sich Titel 2 "Handsome" sich in unveränderter Form auf dem Album wiederfindet . Titel 5 "Your Movements Are …" präsentiert eine Liveaufnahme aus dem Jahre 1989 und erbringt somit den Beweis, dass es die Nachzehrer schon eine Weile schmatzen lassen. Die typische Melodik des "Teens…"-Albums fehlt noch ein wenig oder geht durch die Liveatmosphäre verloren. Der Hit der EP und geradezu für den Clubeinsatz zurechtgeschneidert, ist "jpeg-honey". Eine fette Bassline untermalt von wenigen Keyboardtupfern und Sohas hypnotischer Stimme sind Garant für reichlich Bewegung auf dem Tanzflur. Da müssen sich selbst Technojünger schwarz anziehen. Traurig nur, dass das schöne Stück mit dreieinhalb Minuten reichlich kurz geraten ist.

Titel "Teen Taken From A Tent By Aliens": 1. Devil's Kiss 2. Big Big Big Big Love 3. Poisonous Snake 4. The No-No Baby 5. Handsome 6. Honey Kills 7. Sitting Above 8. I Love Susan 9. Yellow Sweeties 10. Pluto Piano Bar 11. Run Baby Run 12. Beloved In Return

Titel "Devil's Kiss"-EP: 1. Devil's Kiss (Radio Mix) 2. Handsome 3. Devil's Kiss (Maxi Mix) 4. jpeg-honey 5. Your Movements Are … 6. Devil's Kiss (Club Mix)


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