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Nad Spiro- Fightclubbing
(CD, Mess Age, Geometrik)
Fast wäre diese
Platte meinen Hörgewohnheiten zum Opfer gefallen. Das Ritual, wenn eine
neue Platte eintrifft, ist immer dasselbe. Zu tun gibt es im Haushalt
ja genug und die Zeit am Rechner wird mit den Jahren auch nicht weniger…
also habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, jede Platte beim ersten
Mal nebenbei durchzuhören. Beim Aufwaschen, Texte schreiben oder beim
Aufräumen. Die Idee dahinter besteht darin, zu testen, wie gut die neue
Platte in der Lage ist, meine Aufmerksamkeit zu erregen. Was bleibt hängen,
wie ist der erste Eindruck. Der Vorteil darin besteht, dass ich eine gewisse
Vorauswahl treffen kann, was mich interessiert oder was meiner Meinung
nach qualitativ nicht viel taugt (Besonders bewährt hat sich die Methode
beim Durchhören von Zeitungsbeilagen-CDs).
Nun bringt es diese Methode leider mit sich, dass ab und zu eine Perle
durch das grob gestrickte Netz fällt, weil die Gedanken ganz wo anders
sind oder weil man grad nicht in der Stimmung ist. Langer Rede kurzer
Sinn: Nad Spiro´s "Fightclubbing" gehört definitiv zu dieser "Perlen"-Kategorie.
Wer Laurie Anderson mag, ist hier gut aufgehoben. Zum großen Teil weiche
Elektroniks mit einer Spur Kratzigkeit und Strg X & Strg V -Charme. Die
Tracks sind sehr vielschichtig - reduzierte Gitarrenmelodien, fette Beats
(Yo!), eine leicht verzerrte Frauenstimme treffen auf Samples, Oszillatorsounds
oder Noises. Rhythmisches trifft auf extrem Abstraktes. Im Einzelnen lässt
sich das nicht wirklich gut beschreiben, es sei denn, man analysiert jedes
Stück für sich. Natürlich - solche Aussagen lassen sich ganz gut aus einer
mit "Elektronik-Avantgarde" beschrifteten Schublade ziehen, doch was bleibt
dem Rezensenten übrig, wenn er nicht frei seinen subjektiven Assoziationen
Raum geben oder nur deskriptiv tätig werden will. Um es kurz zu machen:
Wer Gelegenheit hat, die Platte zu hören, der sollte das tun. Persönlich
kann ich einem Blindkauf zuraten, ist ja schließlich nicht mein Geld.
Ob der eine oder andere damit glücklich wird, wer weiß. Anzumerken ist
noch, dass der titelgebende Track "Fightclubbing" auf dem Iggy Pop-Stück
"Nightclubbing" beruht - eines seiner besten Tanzschuppenstücke, wie ich
finde (Leider will die geschätzte Hörerschaft immer nur "The Passenger"
und "Lust For Life" hören…). Auch Titel #5 "Spirotechnics" eignet sich
durchaus dazu, das Tanzbein zu schwingen. Wer also ausschließlich Wert
auf diese Art von Funktionalität legt, bitte sehr, greifen sie zu!
Um sozusagen noch einmal einen
Strich unter dem ganzen Gestammel zu ziehen: Eine wunderbare Platte, die
mit der Zeit wächst und definitiv nichts zum Nebenbeihören ist. Wer mehr
über Rosa Arruti aka Ned Spira erfahren will, der klinke sich ins Netz
unter www.xenoid.com/~spiro.
Titel: 1. Mrs Cranium Lectures
On Phrenology 2. Gravid Gaz 3. Antenna Funtasy 4. Marv.In.Put 5. Spirotechnics
6. Addaire 7. Second Story 8. Fightclubbing 9. Motorschiff: Corridor 10.
Motorschiff:Deck (Guitar Only) 11. Enigmo Helix
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