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Das Magazin für neue deutsche Lightkultur

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Soulcripple - Sleepless Dreamless (Torpor Records)

Das pressfrische Werk des Geraer Noise/Industrial-Projektes Soulcripple fällt schon durch das Genreuntypische Artwork auf. Auf dem Cover sind weder Leichenberge noch Industrieruinen zu sehen, sondern in erster Linie wüstenartige Erde sowie das Gesicht eines alten Menschen. Beim Aufklappen des Booklets kommen vorder- und rückseitig zwei paintbrushartige Bilder zutage, die dem Erdboden einmal einen Himmel bei Sonnenfinsternis und einmal von Blitzen zerrissen hinzufügen. Clevere Idee! Auf der Rückseite ist statt des alten ein schreiendes Gesicht zu erkennen, seltsam verzerrt. Die Front ziert offensichtlich das neue Logo von Soulcripple, das an eine John Heartfield-Collage oder Laibach'sche Ästhetik erinnert. Mich gemahnt das Ganze in Summe am ehesten an Illustrationen zu Erich von Däniken-Büchern über die kulturellen Errungenschaften und das geheime Wirken von Außerirdischen auf unserem Planeten.
Auf die Musik bezogen, ist diese Assoziation gar nicht so verkehrt. Die einzelnen Stücke sind durchweg überirdisch, weit entfernt davon, menschliche (Tanz)bedürfnisse zu befriedigen. Alles bewegt sich sehr langsam, dafür mit einer nicht zu bändigenden Intensität. Lautete beim Erstlingswerk der wichtigste Kritikpunkt, das Soulcripple viel zu mechanisch agieren, kann bei dem vorliegenden Album davon keine Rede sein. Im Gegenteil, "Sleepless Dreamless" weiß auf unterbewusste Art zu fesseln. Ganz leise abgespielt würde mancher die Musik wohl erst einmal gar nicht wahrnehmen (Mal abgesehen vom Sirenengeheule bei Titel 1, "deadly moments II"). Ganz laut kann man mit dieser Musik Räume besetzen. Sie hat etwas Unheimliches, eine Art kalter Intelligenz. Man könnte auch sagen, sie sei "Außerirdisch", was natürlich Quatsch ist, schließlich ist ihr Macher ein Wesen aus Fleisch und Blut. Die "Außerirdischkeit" resultiert vielleicht einfach aus einem Gefühl des Ausgeschlossenseins, wie es im Namen des Projektes "Soulcripple" zum Ausdruck kommt. Wie auch immer. Ronny Herling hat es verstanden, seinem Projekt auch im Studio Leben einzuhauchen und damit ein Stück ziemlich genialen "Noise Ritual Ambient" geschaffen, um mal wieder eine neue Schublade zu erfinden und gleich zu beschriften. Was die Bezeichnung eigentlich nur nahe legen soll, ist die Tatsache, dass Soulcripple Elemente aus allen drei Stilrichtungen gekonnt miteinander verbinden und so einen doch sehr eigenständigen Stil schaffen. Ganz offensichtlich hat sich hier die Zusammenarbeit von Herling mit Thomas "Human Destructur" Knauf positiv ausgewirkt, womit meines Erachtens wieder einmal bewiesen wäre, dass ein Mensch alleine zwar gute Musik machen kann, wenn er jedoch die ganze Zeit in seinem eigenen Saft schmort, es irgendwann nicht mehr weiter geht. Kommt dagegen jemand mit eigenen Ideen hinzu, kann es passieren, dass sich plötzlich völlig neue Dimensionen eröffnen. "Sleepless Dreamless" ist meines Erachtens ein gutes Beispiel dafür…

Titel:
1. Deadly Moments II 2. Sleepless / Dreamless 3. Invalid Mins II 4. Down Fall
5. Raw Hell

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Soulcripple - Dreams Of An Invalid Soul (CD, Eigenverlag)

Nach dem Promo liegt dem Rezensenten nun endlich auch die reguläre Soulcripple-Veröffentlichung "Dreams Of An Invalid Soul" vor. Zwei der Stücke sind bereits bekannt, die restlichen neuen reihen sich nahtlos in das vertraute Schema ein: Drones, schabende Noises, mal mehr, mal weniger Beats. Am Gesamteindruck ändert sich dadurch jedoch nichts - Soulcripple liefern "Noise-Meditationsmusik für Freunde des puren elektronischen Klanges, ohne Stimme und ohne fetzige Samples.
Einziges Manko, und dahingehend fällt "Dreams..." gegenüber dem Promo ab, ist das 100-prozentig Mechanische der Stücke. Alles wirkt extrem maschinenhaft, geradezu leblos. Der Unterschied zum Promo ist nur dadurch zu erklären, dass dort ein wesentlicher Teil live eingespielter Stücke vertreten waren, die dadurch ein wenig menschliche Wärme und damit Leben eingehaucht bekamen. Was beim Promo Atmosphäre erzeugt, wirkt bei "Dreams..." seltsam skizzenhaft. Bleibt abzuwarten, wie der Künstler dieses Problem in Zukunft lösen wird.

Titel:
1. Hallucination 2. Low Profile 3. Noisey V1.0 4. High Profile 5. Alien Nations 6. Come Closer To Me 7. Hey You 8. Hallucination (ext.) 9. Alien Nations (ext.) 10. Raw Hell

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Soulcripple - Promo-CD (CD-Box, SoulC)

Eigentlich ist es ja gemein, diese CD zu besprechen, da sie ausschließlich als Promo-CD erhältlich und zudem auf 25 Exemplare beschränkt ist. Da sich aber auch drei Stücke von der regulär erstehbaren CD "Dreams Of An i. S." auf dem Tonträger befinden, ist es nicht ganz so schlimm, schließlich kann der geneigte Leser die Kritik als Anreiz auffassen, sich näher mit dem Projekt Soulcripple zu befassen.
Zuforderst sei angemerkt, dass schon der Name, besonders im Industrial-Genre, eine Glanztat für sich darstellt. "Seelenkrüppel" - wer würde von sich sagen ein solcher zu sein, wer könnte das in unserer kranken Gesellschaft nicht? Sind wir nicht alle schon mehr oder weniger missgebildet, verkrüppelt in unserer Seele, unfähig einander zu lieben, uns selbst anzunehmen, so wie wir sind? Fragen, zu deren Beantwortung diese CD hilfreiche Unterstützung gewährt.
Klanglich bietet das Ein-Mann-Projekt von "Cripple" R. Herling eine sehr vielschichtige und suggestive Mischung aus Noise und Industrial: Hypnotische, zurückhaltende Rhythmen, Soundmodulationen, Kratzgeräusche, Drones. Ähnlich wie sein Geraer Kollege Thomas "Human Destructur" Knauf setzt Herling nicht auf vordergründige körperlich Animation des Zuhörers sondern auf psychoaktive Infiltration. Veränderungen gibt es kaum und wenn dann schleichen sich diese fast unmerklich in die Falten der festen Rhythmusstruktur, bis das Chaos kurz davor ist, die Herrschaft zu übernehmen. Natürlich geht es auch anders: Bei "Dictatorial Times" kracht es ordentlich, wenn Herling aus verzerrten Beats ein richtig fettes Stück Power Noise bastelt.

Soulcripple-Stücke sind nicht wirklich abwechslungsreich. Aber sie sollen sicher auch nicht unterhalten. Natürlich wird es wie immer Freaks geben, die sich über jeden schrägen Sound freuen und kleinste Noise-Schnipsel goutieren können. Mag sein, dass das im Sinne des Erfinders ist, wirklich wichtig ist es nicht. Die Stücke auf der vorliegenden CD wirken über ihren nahezu meditativen Charakter, über die Konstanz und die Ausdauer. Sie dienen der Versenkung und weniger zum Aufrütteln. Schließlich sitzt die Seele, vorausgesetzt man glaubt an ihre Existenz, im Inneren des Menschen. Industrial Meditation Music at it's best.

PS: Ein großes Ätsch an alle, die die CD nicht besitzen, denn sie kommt in wunderschöner geätzter Metallbox daher ;-).

Titel:
1. Deadly Moments (unveröffentlicht, Live im "Haus zur Rothen Thür"/Arnstadt) 2. Low Profile (von "Dreams Of An i. S.") 3. Koma (unveröffentlicht) 4. Noisey v 1.0 (Live im "Haus zur Rothen Thür"/Arnstadt) 5. Dictatorial Times (unveröffentlicht) 6. Alien Nations (extented, von "Dreams Of An i. S.") 7. Crippled Souls (unveröffentlicht)

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