Harmony Sucked! "Es ist vollbracht!", sprach Jesus im Augenblick seines Dahinscheidens am Kreuze und auch ich hatte diese Worte auf den Lippen, als ich am Sonntagmorgen das Empire zuschließen konnte. Ca. 150 Gäste, ein nicht geringer Teil davon extra aus Anlass von DJ Martyn Fleshs Geburtstag vor Ort, sahen ein recht abwechslungsreiches Festival, mit vier überzeugenden Projekten. Dass das Ganze trotz einiger kleinerer Probleme - so fiel das Licht gerade dann aus, als es endlich losgehen sollte - über die Bühne ging, ist der Disziplin der Musiker, vor allem aber der guten Arbeit des Technikers zu verdanken. Noch einmal Lob dafür an dieser Stelle für Ebbs. Den Reigen eröffneten gegen 22.15 Uhr Human Destructure, die mit ihrem halbstündigen Set, das schon gut gefüllte Empire anheizten. Thomas Knauf bot, um Ronny Herling (Soulcripple) und Andreas Mikat (Seraphim) verstärkt, feinen Oldschool Industrial, bei dem, wie sich das gehört, psychedelische Gitarren und Bassklänge tragend zum Einsatz kamen. Human Destructure klangen damit ein wenig anders als auf ihren bisherigen Veröffentlichungen, was man aber im Live-Zusammenhang auch erwarten sollte.
Als nächstes folgte eine Premiere: Festung Kronstadt auf der Bühne. Auch hier war zu bemerken, dass extra für das Live-Set verstärkt rhythmische Elemente und heftigere Klänge in den Sound einflossen, um das Ganze für das Publikum schmackhafter zu gestalten. Im Gegensatz zu den eher im Ambient Noise anzusiedelnden Platten ließ Stephan Schilling kaum Raum für allzu entrückten Hörgenuss sondern brachte stattdessen die Füße zum Wippen.
Optisch und musikalisches Highlight des Abends waren Sektion B aus Berlin. Zum einen überzeugte das professionell geschnittene Video, mit all den kranken Szenen aus den täglichen Nachrichtensendungen, zum anderen wirken sich die Seele aus dem Leib schreiende junge Männer immer noch direkter als jeder noch so gigantische Technikaufbau. Dass ein Großteil des Publikums trotz der knalligen Power Noise-Attacken wie angewurzelt stehen blieb, schreiben wir am besten der Verschüchterung und der Faszination der Bilder zu.
Der etwas undankbare Job, als letzte zu spielen, fiel dann Soulcripple zu, die trotz des schon reichlich geschwundenen Auditoriums eine überzeugende Show boten. In "umgekehrter" Human Destructure-Besetzung auf der Bühne präsentierte sich das sonst eher ruhige Projekt voller ungestümer Energie, die besonders beim letzten Titel aus dem über weite Strecken als Sänger fungierenden Thomas Knauf heraus brach, passend zu gespenstischen Weltkriegsszenen im Hintergrund. Die Heftigkeit der Eruption brachte sogar einen Großteil der "Barhocker" wieder in den Saal zurück. Abschließend beschallte Martyn Flesh alle die, die sich bis dahin nicht getraut hatten, sich zu bewegen, mit Rhythm Noise und Industrial. So kam auch der körperliche Aspekt an diesem Abend nicht zu kurz. Verwunderlich nur, dass, wenn es so viele Tanzwütige gibt, das Ant Zen-Festival im September in Glauchau so schlecht besucht war… Fazit: Das mittlerweile fünfte debile Noise-Industrial-Festival war erstmals als voller Erfolg zu bezeichnen, vor allem auch in ökonomischer Hinsicht. Geld wurde zwar wieder keins verdient, doch erstmals hielten sich Ausgaben und Einnahmen in etwa die Waage. Einer Fortsetzung des Konzeptes "Harmony Sucks!" steht somit nichts im Wege. Ziel soll sein, ein wahrhaftes "Independent"-Event zu organisieren, das über die berechtigte kommerzielle Verwertung durch die Aktiven hinaus, keine "industriellen" (welch Doppeldeutigkeit) Mechanismen bedient. disorder PS: Sorry für die miese Bildqualität: Ich warne ausdrücklich vor Kodak Bilder-CDs von Rossmann. Das nächste mal scanne ich den Kram wieder selbst.
Der Flyer zum Konzert... |
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