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Studiert ihr
Philosophie oder Soziologie?
Jens P.: Ich lebe zur Zeit inmitten von Jubelfreu. Das ist zwar vollkommen
unschädlich, aber was soll's? Das Studium ist schon sehr aufwendig. Jaja,
doch, ich muß schon sagen, ich hätte es mir einfacher vorgestellt. Aber
was will man machen? Nein, es geht nicht, daß man eine Meinung hat ohne
studiert zu haben. Nicht-Studenten sind einfach nicht in der Lage über
etwas zu reflektieren. Soziologie und naturlich die Philosophie sind beides
Gebiete über deren Kenntnis sich jeder Beteiligte an der Arbeit der Brigade
bewußt sein muß! Mit anderen Leuten rede ich gar nicht erst..... Lalala.
Was soll es denn kosten, ein ewiges Wiederkäuerdasein zu fuhren? Die Weltherrschaft?
Kennt ihr Canettis
"Masse und Macht"? Benutzt ihr seine Erkenntnisse? Ist die Manipulation
von Menschen legitim und wenn ja, wer hat das Recht dazu?
Jens P.: Ich habe Canettis Weck lediglich einmal in einem Buchladen überflogen,
von daher ist es mir unmöglich seine Erkenntnisse zu nutzen, wobei das
bei Alex höchstwahrscheinlich nicht der Fall ist. Ganz davon abgesehen
muß die Manipulation von Menschen legitim sein, wenn nicht, dann wäre
all das was wir hier auf dieser Erde und darüber hinaus betreiben ein
Akt von schamlosester Verbrecherei. Jeder manipuliert jeden, irgendwie,
jeder hat das Recht dazu. Manipulation ist notwendig, um das Leben aufrecht
zu erhalten. Selbst die Wahrheit ist Manipulation, wenn sie im richtigen
Moment eingesetzt wird. Scheiß auf Konventionen, was sollen die heuchlerischen,
buntblumigen Aussagen der ganzen Rechts- und Gewissensverdreher, im Sessel
vor sich hinstinkend und von billigen Nutten sich vögeln lassend. Manipulation
hat nur dann einen Sinn, wenn man sich zu eben einer solchen Nutte macht.
Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, so nahe an die Potenz der angeblichen
Wahrheit zu kommen und sie einfach herauszureißen?
Im Text finden
sich immer wieder Seitenhiebe gegen die moderne Gesellschaftsordnung,
gegen die Vernunft, Demokratie und Aufklärung ("Zwischen Demokratie und
Despotismus ist ein äußerst schmaler Grat, wenn überhaupt") Was stört
Euch daran? Wie wurde ein ideales Zusammenleben der Menschen aussehen?
Wie würde der ideale Mensch aussehen?
Jens P.: Der ideale Mensch ist im ersten Stadium nackt. Die ideale Idealität
einer demokratischen Herrschaftsordnung gibt es schon so lange, nur hat
sich bis jetzt leider noch niemand wirklich ausgezogen. Die totale Aufhebung
der Nacktheit bis zur Lust, das zweite Stadium. Das ideale Zusammenleben
ist auf dieser Lust begründet, in Vorraussetzung einer vollkommenen Abartigkeit.
Die Demokratie ist also insofern Despotismus/Abartigkeit, als daß beide
nur ein schmaler Grat voneinander trennt, das dritte Stadium. Zwischen
beiden Flächen dieser Begrifflichkeiten entsteht eine Kraft wie zwischen
den zwei Polen eines Magneten. Würdest du sie auseinander reißen oder
aufeinander zurasen lassen?
Freiheit ist
das zentrale Thema Eures Werkes. Wie sieht eine Freiheit aus, die nicht
an die Existenz gebunden ist? Wie definiert ihr Freiheit? Ist Suizid der
ultimative Ausdruck des Individualismus?
Jens P.: Die Brigade NV ist die Freiheit und wir sind nicht an die Existenz
gebunden, ganz einfach. Zum Suizid: Wenn es in der eigenen Überzeugung
geschieht, dann ist er es nicht. Es ist jedoch schwierig eine Grenze zu
ziehen, wenn man nicht weiß, wo diese sein soll. Liegt sie noch diesseits
oder jenseits der empfangenen Suggestion? Das ist entscheidend, wenn man
über einen Suizid urteilen und ihn als Ausdruck des Individualismus ansehen
will.

Sind Freiheit
und Individualität miteinander vereinbar?
Jens P.: Eigentlich ist die Individualität nur ein Synonym für Freiheit,
wenn man beide Begriffe sehr oberflächlich betrachtet und nur im Kontext
einer Ich-bezogenen Gedankenwelt zu greifen versucht. Das würde bedeuten,
daß man, wenn man für sich die absolute Individualität erreicht hat, auch
folglich absolut frei ist. Aber jetzt stell dir einmal vor, jeder wäre
in dieser Form individuell, jeder einzelne Mensch ist eine Freiheit für
sich, die mit den anderen notwendigerweise überhaupt nichts zu tun hat
/ haben kann. Das funktioniert nicht, das ist paradox und zwar deshalb,
weil wir das Stadium der vollkommen vom Diesseitigen, von der Emotio und
Ratio losgelösten Individualität noch nicht gefunden haben. Das erste
Stadium ist noch lange nicht erreicht! Selbst wenn man ein Einsiedlerdasein
führt ist man nicht von solchen Begrifflichkeiten und Ideen losgelöst,
da man ja nicht weiß, was es sonst noch für Individualitäten gibt. Wie
soll man sich abgrenzen können, wenn man nicht weiß, wo man die Grenzen
ziehen soll, um individuell zu sein? Also, zusammenfassend: Individualität
und Freiheit sind nicht miteinander vereinbar aber notwendig.
Worin äußert
sich der Narzissmus unserer Zeit?
Jens P.: Der Narzissmus unserer Zeit äußert sich im Willen zur Freiheit
ohne an ihn zu denken aber im ständigen Versuch ihn durchzusetzen. Ihn
durchzusetzen ist aber nur möglich, wenn der Narzissmus zum allgemeingültigen
Glauben erklärt und praktiziert wird. Freiheit für alle.
Welche Rolle
spielt der Narzissmus im Zusammenhang mit Sexualität? Dem Manifest ist
zu entnehmen, dass sie einander friedlich gegenüberstehen.
Jens P.: "Das sexuelle
Begehren ist [...] das Durchführen einer graduell übersteigerten körperlichen
Gewalt". Der Narzissmus spielt diesbezüglich die Rolle des Teufels der
peitscheschwingend hinter der Sexualität steht. Das ist die Verbitterung,
die ihren Ausdruck einer übersteigerten, selbstbezogenen Sexualität findet.
Sie bedingen einander und sind eben wie die oben genannten zwei Pole eines
Magneten. Welche Rolle spielt der Narzissmus im Zusammenhang mit Sexualität?
Dem Manifest ist zu entnehmen, dass sie einander friedlich gegenüberstehen.
15) Jens P.: "Das sexuelle Begehren ist [...] das Durchführen einer graduell
übersteigerten körperlichen Gewalt". Der Narzissmus spielt diesbezüglich
die Rolle des Teufels der peitscheschwingend hinter der Sexualität steht.
Das ist die Verbitterung, die ihren Ausdruck einer übersteigerten, selbstbezogenen
Sexualität findet. Sie bedingen einander und sind eben wie die oben genannten
zwei Pole eines Magneten.
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