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Ihr habt bisher
zwei Alben und eine Single veröffentlicht, unter anderem bei Membrum Debile
Propaganda. Wie seid Ihr in Kontakt mit Silvio Kessmann gekommen? Schließlich
ist Eure Musik nicht grade typisch für das Label…
Mitte der 90er habe ich starke Noise-Phase durchlebt. Zeitweise wollte
ich keine andere Musik mehr akzeptieren, was sich aber an einem extremen
Punkt meines Lebens glücklicher Weise wieder geändert hat. Da Membrum
Debile Propaganda zu dieser mit zu den günstigsten Plattenverkäufern gehört
hat, habe ich dort sehr gerne und oft bestellt. Als ich von dritter Seite
her erfahren habe, dass Silvio über einen sehr breitgefächerten Musikgeschmack
verfügt und u.a. gerne Minimal-Elektronik hört, bot sich die Anfrage nach
einer Veröffentlichung bei seinem Label an.
Was könnt Ihr
uns zu Cabinett Records mitteilen, bei denen Euer aktuelles Album "Some
Thought Us Dead" erschienen ist.
Das Sublabel wurde von Silvio gegründet, um minimalistische Elektronikmusik
mit all ihren Facetten zu veröffentlichen. Bis jetzt sind allerdings nur
zwei Platten erschienen, weitere werden wohl noch folgen. Da es leider
in letzter Zeit recht still um das Label geworden ist, kann ich nichts
weiter dazu sagen.
Nachtrag: Das
Label Membrum Debile Propaganda scheint seine Existenz beendet zu haben.
Die Website
existiert zwar noch, doch scheint die letzte Aktualisierung von 2003 zu
stammen...
Wo würdet Ihr
die größten Unterschiede zwischen Eurem Erstlingswerk "Signalisti" und
"Some Thought Us Dead" sehen?
Der erste Unterscheid zwischen diesen beiden Alben besteht in der Zeit
ihrer Entstehung. Die Stücke der ‚Signalisti' sind allesamt in den 90ern
und über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren entstanden. Die Stücke der
‚Some Thought Us Dead' entstanden alle im April/Mai 2002. Ein weiterer
Unterschied ist in den Soundarrengements zu finden. Auf der ersten Platte
wurden Minimalstücke von noisigen Stücken getrennt. Auf der zweiten Platte
wurden diese beiden Stile oft miteinander kombiniert, ohne dabei in den
absoluten Noisebereich zu driften.
Ihr seid im
März in Heldrungen beim Neofolk-Festival Flammenzauber aufgetreten. Wie
waren die Reaktionen der Anwesenden - schließlich könnte man behaupten,
dass das nicht Eure Zielgruppe ist.
Einige Zuhöhrer konnten mit unserem Sound nüscht anfangen, einigen hat
es sehr gut gefallen. Wenige fanden es scheiße. Ein paar Zuhörer wurden
von dem Sound gefangen genommen, was mich natürlich sehr gefreut aber
auch überrascht hat. Für mich persönlich handelte es sich an diesem Abend
gerade um die richtige Zielgruppe. Das wir überhaupt mit unserer elektronischen
Musik im Rahmen dieses schönen Festivals spielen konnten, hatte mich schon
sehr überrascht und gefreut. Da ich selbst auch lange Zeit den Musikstil
gehört habe, der dort einen Schwerpunkt bildet, weiß ich über dessen Natur
bescheid. Mir wurde sozusagen meinem Anliegen entsprochen, relativ dunklen
elektronischen Sound, oft kombiniert mit passender Percussion, der verwandten
Hörerschaft vorzuspielen.

Ist es möglich,
dass verstärkt neofolkloristische Klangwelten und Sujets in Eure Musik
Einzug halten? Zumindest hatte ich den Eindruck beim Hören Eures Beitrags
"Crosses Of The West" auf dem -
oo db-Sampler.
Im Rahmen von ECHO
WEST ist an sich und musikalisch alles möglich. Die Stücke entstehen ja
allesamt aus dem Bauch heraus mit einer gewissen Idee im Vorfeld. Bestimmt
wird diese Ader im Rahmen bestimmter und zukünftiger Stücke ihren Ausdruck
finden.
Was habt Ihr
Euch für Ziele für Eure musikalische Karriere gesetzt und wie sieht es
bisher mit deren Verwirklichung aus?
Ein Wunsch war es immer Musik zu machen, in irgendeiner Form. Persönlich
bin ich da auch von meiner Familie her geprägt, was mir sehr gefällt.
Das meine Musik auch mal auf Vinyl oder CD veröffentlicht wird, hätte
ich damals nie gedacht und hab eher nur davon geträumt. Eine emotionale
Bestätigung durch die Musik und positive Resonanz darauf zu erfahren,
ist nicht das Ziel unserer Aktivität, aber eine äußerst angenehme Begleiterscheinung.
So erreichen wir immer dann unser Ziel, wenn wir uns zusammentun und schöpferisch
tätig sind!
Dirk, was gibt
es noch zu Deinem Seitenprojekt "Silent Signal" zu erzählen?
Durch den freundschaftlichen Kontakt über Berlin DAS DREHMOMENT zu INVASION
PLANETE Rec. aus Frankreich/Toulouse, und dadurch, dass Alexandre den
Echo West-Sound interessant fand, ist dieses Projekt entstanden. Durch
sein Interesse bot sich mir die Gelegenheit unter einem ganz besonderen
Aspekt, meine Erfahrungen mit dem schönen Frankreich, Stücke zu schreiben,
die sich vom aktuellen Echo West-Sound relativ unterscheiden. Entstanden
sind melancholische Lieder mit der Tendenz zur Minimal-Elektronik ohne
jegliche Noise- stattdessen mit Wave-Elementen. Bis jetzt gibt es eine
7" sowie zwei Samplerbeiträge, wobei auf der Flammenzauber-CD leider der
Titel des Beitrages verwechselt wurde. Dieser lautet eigentlich 'Pour
Dormir Enfin' und nicht ‚An Adverse Birth'. Aber trotzdem vielen und lieben
Dank und Grüße an die Organisatoren. Zur Zeit werkel ich wieder an neuen
Stücken für SILENT SIGNALS. So möchte ich die Gelegenheit ergreifen und
auf das Projekt TRANS-ACTIVE NIGHTZONE hinweisen, welches ich mit KEEN
K aus Berlin betreibe. Aktuell ist der Beitrag auf dem neuen Sampler 'WOLRD
OF DISORDER' von DISORDER Rec. Berlin.
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