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100 Mann und
ein Befehl
Ein Ehemaliger
der Légion Entragère berichtet
Interview
veröffentlicht in debil #6, Mai 2003
und ein
Weg, den keiner will. So oder ähnlich ist wohl schon jeder einmal
mit der FremdenLégion in Berührung gekommen. Die meisten haben
sich über Freddy
Quinns Titel hinaus nicht mit dieser militärischen Einrichtung
beschäftigt und doch existiert ein diffuses Bild vom "Söldnerheer,
in dem mehr oder weniger zwielichtige Gestalten untertauchen um sich eine
neue Identität zu verschaffen". In den 50er Jahren war die Légion
eine Legende, die viele Abenteuerlustige und sicher auch so Manchen mit
dunkler Vergangenheit - der zweite Weltkrieg war gerade zu Ende - in ihren
Bann zog. Indochina (1945-1954), verlustreichster Einsatz der Fremdenlegion
(offiziell fielen über 10.000 Legionäre), und Algerien (1973)
gehören zu den wichtigsten Stationen der neueren Geschichte der Légion
Entragère, die wesentlich das Bild dieser Truppe prägen. Klischees
von Dschungel und Wüstensand, Kameradschaft bis in den Tod und bedingungsloser
Befehlsausführung werden immer wieder beschworen, wenn es um die
Légion geht.
Was ist nun aber Legende und wie sieht die Realität bei der Fremdenlegion
wirklich aus? Das Internet gibt einige interessante Anhaltspunkte, doch
der Blick ins Innere bleibt den Laien verborgen. debil wollte mehr wissen
und befragte deshalb Klaus [Name geändert], einen Ehemaligen, der
uns per Mail auf unsere Fragen antwortete.

Kannst Du bitte erst einmal ein paar Worte sagen,
wann Du bei der Légion warst, wo Du stationiert warst und welchen
Dienstgrad Du innehattest?
Ich war von 1988 bis 1994 bei der Légion als Caporal, 1988 bis
1992 im 2°REI Nimes (Motorisierte Infanterie) und von 1992 bis 1994
beim 3°REI Guyane (Dschungel-Regiment am Amazonas).
Warum bist Du zur Légion gegangen? Was hat
Dich daran gereizt?
Diese Frage wird wohl niemand aufrichtig und vollständig beantworten...
Gab es einen Zeitpunkt, an dem Du am liebsten wieder
gegangen wärst? Was hat Dich gehalten?
Ja natürlich, anfangs lag der Gedanke wegen des Mobbings oft genug
nahe. Erst mit der Beförderung zum Légionnaire 1° Class
besserte sich das Verhältnis - und mit meiner Beförderung zum
Caporal hatte ich dann meine Ruhe...
Was mich gehalten hat, war wohl der Wille sich nicht einfach wegmobben
zu lassen, geschweige denn, einfach aufzugeben.
Wie alt warst Du zum Zeitpunkt Deines Eintritts
in die Légion?
22.
Was haben Eltern, Freunde, Verwandte dazu gesagt?
Wussten sie überhaupt davon?
Nein, weder Freunde noch meine Eltern wussten von meiner Entscheidung
der Légion beizutreten.
Diese Entscheidung habe ich für mich alleine gefällt, ohne dass
irgendjemand die Möglichkeit hatte, darauf Einfluss zu nehmen. Sie
mussten nur die bittere Pille schlucken, meine zurückgelassenen Probleme
und Verpflichtungen, wie z. B. Wohnungsauflösung etc. in Abwesenheit
für mich zu regeln. Meine Eltern dachten anfangs, ich sei in einer
Sekte gelandet ...
Als ich nach meiner Dienstzeit ins Zivilleben zurückkehrte, haben
mich meine Eltern, mit denen ich verbotenerweise die ganze Zeit über
Kontakt hatte, wieder aufgenommen.
Meine "alten" Freunde waren natürlich nicht begeistert,
als ich plötzlich aus dem Nichts wieder vor ihnen stand, denn sie
wussten die ganze Zeit über nicht, wo ich war und was ich gemacht
habe. Ich habe diese Kontakte auch sehr rasch wieder einschlafen lassen,
da die Interessen im Laufe der Zeit doch viel weiter auseinander gingen,
als nur bis sprichwörtlich über Nachbars Zaun.
Die Fremdenlegion steht ja im Dienste Frankreichs. Was für eine Motivation
gab es für Dich als Deutscher für unsere Nachbarn ins Feld zu
ziehen?
keine Antwort
Als Legionär hast Du nach drei Dienstjahren
die Möglichkeit und gute Chancen, die französische Staatsbürgerschaft
anzunehmen. Hast Du das gemacht und wenn ja, warum?
Nein, ich sah für mich absolut weder Sinn noch Notwendigkeit darin,
meinen deutschen Pass abzugeben (Deutschland besteht darauf). Ich war
weder auf der Flucht, noch strebte ich eine weiterreichende Karriere in
Frankreich an. Wäre Letzteres für mich maßgebend gewesen,
wäre es sicherlich für die Karriere von Vorteil gewesen.
Hättest Du Dir auch eine ganz "normale"
Karriere in der Bundeswehr vorstellen können?
Kurz vor dem Ende meiner Dienstzeit bei der Legion wurde ich beim Kreiswehrersatzamt
vorstellig - ich war damals mit stolzen 27 Jahre durchtrainiert und noch
im Dschungelcommando in Guyane française eingesetzt. Leider fiel
die Antwort des verantwortlichen Menschen auf dem Kreiswehrersatzamt so
aus, dass es mir glatt die Socken auszog: Mit 27 Jahren sei ich den Anforderungen
der heutigen modernen Bundeswehr nicht mehr gewachsen...
Welch Glück, dachte ich damals bei mir, dass ich noch in meinen bunten
Dschungel entfliehen kann, um den harten Ausbildungsstress der modernen
Bundeswehr aus dem Wege zu gehen. Von da an war das Thema Bundeswehr für
mich mit meinen in der Légion erlangten Spezialausbildungen e
r l e d i g t.

Habt Ihr unter den Kameraden über die Gründe
für den Eintritt in die Légion geredet? Wenn ja, was gab es
noch für Beweggründe?
Es wurde sehr selten im Kameradenkreis über private Dinge geredet,
wenn doch, wurden sie meist eh nur beschönigt. Außerdem tritt
man in die Légion Etrangère ein, um seinem Leben eine andere
Richtung zu geben, neu anzufangen und nicht Altem, Vergangenem nachzutrauern.
Warst Du nervös vor der Aufnahmeprüfung
oder hast Du das eher "locker" gesehen, in dem Sinne, dass es
ein Versuch ist, der auch scheitern kann?
Ich habe das eher locker gesehen, denn ich war ja auf der Suche nach einer
Möglichkeit, mein bis dahin gelebtes Leben zu verändern. Hätte
es damals nicht in der Légion geklappt, hätte ich gewiss eine
andere effektive Möglichkeit für mich gefunden.
Wie muss man sich die Prüfung vorstellen?
Wie in jeder größeren Firma auch. Selbstredend wird in der
Légion verstärkt auf die psychische Konstellation, den evtl.
Drogenkonsum und die allgemeine Sicherheitsüberprüfung Wert
gelegt. Nur 10% der Bewerber zum "engage Volontaire" werden
überhaupt genommen. Die meisten kapitulieren und gehen von alleine,
viele bestehen erst gar nicht die medizinischen Tests. Interessant ist
auch die Höhe der durch Interpol gesuchten "Schwerstkriminellen",
die sich die Flucht in die Légion erträumen, aber böse
erwachen, wenn sie direkt an die Polizei übergeben werden.
Einmal in der Légion aufgenommen, was sind
die wichtigsten Ausbildungsinhalte?
lernen (Ach so!)
Was ist ein
Legionär zweiter Klasse? Wird man "zweiter Klasse" behandelt?
Ein Légionnaire 2° Class ist der erste Dienstgrad in der Légion,
man erreicht ihn nach bestandenem Képi Blanc Marsch (mind 50 km
in einem Tag) in der Grundausbildung. Vergleichbar bei der BW mit dem
Schützen Ar... Der Scheuerlappen der Kompanien...
Wie steigt
man in die erste Klasse auf? Durch Erfahrungen bei Einsätzen oder
einfach durch die Dienstzeit?
Früher benötigte man zur Beförderung als 1° Class mindestens
18 Monate Dienstzeit bei tadelloser Führung, heute ist es der BW
gleichgestellt, man wird es automatisch nach einem Jahr Dienstzeit.
Kannst Du vielleicht ein, zwei "Geschichten"
aus Deiner Dienstzeit näher beleuchten, die ein Bild vom Dienst in
der Fremdenlegion vermitteln können? Gab es zum Beispiel eine sehr
extreme Situation oder eine Situation, in der Du darin bestätigt
wurdest, das Richtige zu tun?
Löschen von Waldbränden und Brandwachen in Südfrankreich,
Evakuierung von Zivilisten in aufständischen afrikanischen Ländern
sowie medizinische und humanitäre Hilfeleistungen, Dschungelerkundungen
und Eingeborenendörfer patrouillieren, Vordringen in Gegenden, wo
noch nie ein Mensch war...
Fremdenlegionär zu sein, hat ja auch etwas
vom Mönch sein, ohne Frau ohne Familie. Ist Dir das schwer gefallen,
darauf zu verzichten?
Wieso Mönch sein? Nach Dienstende kann man doch in die Stadt oder
mit Urlaubsschein auch überall hin. Paris, Marseille, Toulouse etc.
Die schnelle Nummer ist überhaupt kein Problem. Sei es mit Huren,
Touristinnen oder festen Freundinnen. Auch Heirat ist möglich.
Legio Patria Nostra heißt "Die Légion ist unser Vaterland".
Die große Familie Légion. Es ist zwar frustrierend, dass
jedes Wochenende die ganzen Franzosen ausgeflogen sind und nach Hause
zu ihren Familien fahren aber auch sonst klappt es mit der Kameradschaft
ganz gut. Im Urlaub kann man immer noch problemlos zuhause Urlaub machen.
1835 wurde die Fremdenlegion an die spanische Königin verkauft. D.h.,
dass die Soldaten, die Frankreich die Treue geschworen haben, plötzlich
für jemand anders kämpften. Wie siehst Du aus Deiner Sicht diesen
Vorgang?
Zu dieser Epoche war es normal, das komplette Einheiten verkauft oder
verliehen wurden. Außerdem schwört man gar nichts, sondern
hat einen ganz normalen Arbeitsvertrag!
Übrigens, in den frühen 80er Jahren wollte Mitterand die Légion
abschaffen, da gab es ganz schnell Interessenten, wie die US-Marines,
die auch Ausländer nehmen. Hat sich dann ganz schnell erledigt, als
die Franzosen das erfuhren.
Abgesehen davon, dass das heute sicher nicht mehr
passieren würde, bleibt nicht der Konflikt, dass politische Veränderungen
auf einmal Verhältnisse schaffen, die das Treuegelöbnis in Frage
stellen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass manche Legionäre
nicht gerade glücklich wären, wenn LePen an die Macht käme.
Wie lässt sich dieser "Gewissenskonflikt" lösen?
Was für ein Treuegelöbnis? Es gibt keinen Fahneneid oder so
was. Man hat einen stinknormalen Arbeitsvertrag mit der Französischen
Armee!
Le Pen hat sich doch selber entsorgt... Das Thema ist erledigt
Noch ein Rückgriff
auf die Geschichte: Die Schlacht von Camerone gehört zu den großen
Mythen der Légion. Sie steht dafür, dass die Legionäre
einen Befehl bis zum Untergang ausführen. Um das machen zu können,
muss man überzeugt sein, dass es etwas Größeres als das
eigene Leben gibt. Sind Fremdenlegionäre religiöse Menschen?
Woran glauben sie?
Das musst Du mal anders sehen. Es ist der größte Mythos und
ein Feiertag aber es gab ungleich heftigere Schlachten. Camerone war das
gesammelte Unvermögen von einigen Offizieren. Der verantwortliche
Hauptmann war ein Zahlmeister ohne Infanterie-Kenntnisse und machte alles
falsch, was man falsch machen kann. Mitten im Feindesgebiet ohne Flankenschutz.
Rast machen ohne Wachen und diese sogar ausdrücklich zu verbieten.
Sich dann bei 50-fach überlegenem Feind, anstelle Anschluss zu nahen,
eigenen Einheiten zu suchen oder diese zumindest mit dem Lärm auf
die Situation aufmerksam zu machen, sich sonstwo zu verstecken
63 Mann trotzen über 2.000 Angreifern. Da sie ja eh keine Chance
hatten, weshalb also es dem Gegner leicht machen...? Sie schalteten 600
Angreifer aus und wurden dann überrannt. Drei überlebten.

Spielen politische / religiöse Inhalte in der Ausbildung eine Rolle?
Außer dem Grundwissen, wie die französischen Regierung aufgebaut
ist, nicht.
Die Légion wird oft an vorderster Front eingesetzt aber auch z.B.
beim Mienenräumen. Hast Du viele Kameraden verloren? Wie geht man
mit dem Tod eines Kameraden um?
Stelle diese Frage mal einem Feuerwehrmann, der sein Leben einsetzt, um
Feuer zu löschen und Leute zu retten und dabei seine Arbeitskollegen
verbrennen und abstürzen sieht. Oder verzweifelt zusehen muss, wie
ein Kind vor seinen Augen stirbt.
Stelle diese Fragen mal einem Arzt, der absolut nichts für einen
Menschen tun kann, der von einer heimtückischen Krankheit hinweggerafft
wird oder nach einem Unfall nur noch ein bemitleidenswerter Krüppel
ist.
Stelle diese Fragen mal einem Polizisten, der zu einer Schiesserei muss,
wo es vielleicht schon einige seiner Kollegen erwischt hat. Oder frage
den Polizisten mal, wie er sich fühlt, wenn bei einer ganz normalen
Kfz-Kontrolle der Fahrer plötzlich eine Waffe in der Hand hält
und losballert und der Polizist aus Bequemlichkeit seine Schussweste nicht
angezogen hat.
In den genannten drei Berufsgruppen ist die Zahl der Alkoholiker weit
über dem Durchschnitt, warum wohl? Man muss sich schon einen gewissen
Panzer schaffen, sonst geht man unter. Jeder Job hat so seine Risiken
aber das weiß man vorher, wenn man sich für diesen Job entscheidet!
Für Jobs wie Feuerwehr, Polizei, Militär sind gewisse Grundrechte
eingeschränkt, wie z.B. das Recht auf die körperliche Unversehrtheit.
Mann muss auf Befehl sein Leben riskieren, was aber noch lange nicht heißt,
dass man sich unnötig verheizen lassen muss. Da hört es auf!
Auch bei der Légion wird begründet, warum man irgendwo intervenieren
muss und um was es da geht. Ohne Hintergrundinfos und vernünftige
Begründung geht keine Einheit in den Einsatz, auch wenn man sich
schlecht weigern kann.
Punkt 7 des Ehrenkodex der Légion lautet:
Im Kampf bist Du leidenschaftslos und ohne Hass, Du achtest Deine besiegten
Feinde. Lässt sich das immer realisieren oder kann es passieren,
dass einen der Hass übermannt, vielleicht, wenn gerade ein Kamerad
gefallen ist?
Komische Frage. Sind doch alles nur Menschen. Wenn der Hass überhand
nimmt, vergisst man das Denken und das kann ganz schnell gesundheitsschädlich
werden. Jeder Job hat seine Risiken und damit muss man leben. Der besiegte
Feind hat doch auch nur seine Arbeit getan und wenn er es auch noch ehrenhaft
und gut gemacht hat, verdient er auch Respekt! Je nach politischer Lage
kann der Feind von heute morgen neben dir im Schützengraben liegen
und deinen Hintern retten.
Beispielsweise waren nach der Öffnung der Östlichen Grenzen
auf einem Schlag plötzlich über die Hälfte der Legionäre
Polen, Russen und Tschechen, was sich jetzt wieder radikal geändert
hat. Also der Ex-Klassenfeind. Von den mehreren Hundert ex-NVAlern die
kamen, sind, wie bei den meisten Deutschen, fast alle desertiert. Es waren
übrigens sehr disziplinierte und gute Soldaten, die da kamen.
Wie wird das "leidenschaftslos sein" trainiert?
Indem kein Hass eintrainiert wird, was sonst!
Musstest Du während Deiner Dienstzeit einen Menschen töten?
Wenn ja, was hast Du "beim ersten Mal" empfunden?
Angst, was sonst? Er oder ich, das ist die Frage, die man sich stellen
muss. Die Entscheidung fällt dann natürlich leichter. Mich wundert,
dass diese Frage erst so spät kommt. Ist schließlich eine dumme
Standartfrage. Wäre diese zuerst gekommen hätte sich dieses
Interview sofort erledigt! (Hab ich ja Schwein gehabt!)
Gibt es so etwas wie eine psychologische Betreuung
in solch einem Fall? (... schließlich kann ich mir gut vorstellen,
dass das nicht jeder so leicht wegsteckt, auch wenn er bei Dienstantritt
natürlich damit rechnen muss, dass es einmal dazu kommt.)
Ja, auch wird darüber sofort geredet und diskutiert mit den Kameraden,
damit sich nichts aufstaut und irgendwann ausbricht. Meist sind dann auch
schnell Militär-Geistliche verschiedener Religionen zur Stelle, die
zuhören können, ohne Missionar spielen zu wollen.
Auch in diesem Zusammenhang: Haben Soldaten die
Légion vorzeitig verlassen oder wurden suspendiert, wenn sie sich
zum Beispiel als nicht würdig erwiesen haben? Der (erste) Vertrag
sieht ja eine Mindestdienstzeit von fünf Jahren vor...
Die ersten 6 Monate sind Probezeit. Auch danach ist die Beendigung des
Arbeitsvertrages für beide Seiten möglich aber schwieriger.
Aber die Légion weiß auch: Wenn sie jemanden nicht gehen
lässt, geht der einfach von selber. Einfach in den nächsten
Zug und ab nach Hause... auch Desertieren genannt. Die Deserteure werden
von Deutschland nicht ausgeliefert und nach einer Weile fristlos gefeuert.
Allerdings desertieren die meisten Deutschen...
Hattest Du während Deiner Dienstzeit Kontakt
zu Freunden oder Verwandten? Ist das überhaupt gestattet?
Wenn man von der Légion keinen anderen Namen "verpasst"
bekam, kein Problem. Ansonsten gibt es auch in den Kasernen Telefonzellen
und auch Telefonkarten. Allerdings wird der Posteingang kontrolliert bei
Leuten, die einen anderen Namen bekommen haben. Aber auch da gibt es leichte
Umgehungsmöglichkeiten ;-)
Als Du den Dienst quittiert hast, bist Du dann in
Dein "vorheriges" Leben zurückgekehrt?
Ja. Ich habe es aber sehr schnell wieder aufgegeben und bin weggezogen
und habe komplett neu angefangen
Lange Soldat gewesen zu sein, heißt ja auch,
sich sehr stark vom "normalen" Alltag zu entfernen. Wie hat
Dir die Légion geholfen, wieder in der zivilen Gesellschaft Fuß
zu fassen?
Überhaupt nicht, weil ich nicht wollte! Ab etwa acht Jahren Dienst
gibt es eine bezahlte Übergangszeit usw. aber nicht vorher. Die hätten
mir dann zwar einen Job, Wohnung etc. besorgt aber ich hatte schon was
in Deutschland.
Was hast Du
nach dem Ausscheiden am stärksten vermisst und was hast Du als angenehm
empfunden (z.B. über die eigene Zeit verfügen zu können,
Spontaneität im Allgemeinen)?
Kameradschaft, sicheres Leben, sicherer Job, sicheres gutes Einkommen,
gute medizinische Versorgung, Sport, Abwechslung, spontan mit Kameraden
was unternehmen, auch verrückte und teure Sachen, berufliche Förderung,
interessante Tagesgestaltung ohne Leerlauf, absolut Sauberkeit der Kaserne.
Weiß Dein Umfeld (Arbeitskollegen, Partnerin etc.), dass Du bei
der Légion warst? Wenn ja, wie gehen sie damit um?
Mein jetziger Arbeitgeber und die Arbeitskollegen wissen es nicht. Ich
habe aus bösen Erfahrungen gelernt. Meine Partnerin weiß es
aber mit der bespreche ich da keinerlei Details. Das mache ich nur mit
Kameraden.
Übrigens, es waren in den letzten hundert Jahren bereits etwa 100.000
Deutsche in der Fremdenlegion! Derzeit sind es etwa 5%. Wobei man bedenken
muss, das Karrieremenschen meist schon einen französischen Pass haben.

Ihr habt eine Kameradschaft ehemaliger Legionäre gegründet.
Womit beschäftigt Ihr Euch in diesem Rahmen?
Es gibt unter der Leitung der Légion 48 offizielle Kameradschaften
Ehemaliger Fremdenlegionäre in Deutschland und etwa 195 in aller
Welt. Diese haben ca. 12.000 Mitglieder. Außerdem gibt es noch Hunderte
von inoffiziellen Kameradschaften. Die Aufgaben der Ehemaligen-Kameradschaften
(Amicalen) sind das Austauschen von Erinnerungen, Wiedertreffen von alten
Kameraden, Wahrung der Traditionen der Fremdenlegion, Regelung von Rentenansprüchen,
gemeinsame regelmäßige gesellige Treffen und Ausflüge,
z.B. Besuche der aktiven Regimenter der Fremdenlegion, Kontakt und Besuche
anderer Kameradschaften (Amicalen) in aller Welt, Feiern von Festen, Hilfestellungen
aller Art und vieles mehr.
In einer dieser Kameradschaften bin ich, seit ich zivil ging. Die Leute
dort kannte ich vorher schon von deren Besuchen in unseren Regimentern.
Da deren Programme aber eher was für die ältere Generation sind,
und damit für die etwa 2.500 Ehemaligen zwischen 25 und 50 Jahren
in Deutschland äußerst unattraktiv, sind einige Kameraden und
ich gerade dabei, in Zusammenarbeit mit Militär-Sport-Verbänden,
Kameradschaften und Firmen etwas aufzubauen, wo Qualität, Action,
Kameradschaft und Ausbildungen angeboten werden, ganz ohne Abzocke!
Auf dem Programm stehen z.B.: Fallschirmspringen (Matratze und Rundkappe),
Tauchen, Kayak, Rafting, Outdoor (Flachland, Gebirge, Wälder, Wüste,
Dschungel), Kampfsport, Ausbildungen wie Fahrertraining, Personenschützer
(gestaffelt) usw. Die genannten Sachen natürlich bis hin zum Erwerb
offizieller Lizenzen! Wir können natürlich nicht alles selber
und alleine machen, werden aber immer mit dabei sein und die Ausbilder
sind zumeist auch ehemalige Legionäre. Die Resonanz ist bereits sehr
interessant!
Die Aufgabe der Kameradschaften ist ausdrücklich NICHT das Anwerben
von Freiwilligen. Auch weisen wir darauf hin, das es uns fern liegt, eine
Wehrsportgruppe oder so was zu gründen!
Wie ist die öffentliche Reaktion auf Euch?
Gemischt.
Was würdest Du "potentiellen" Fremdenlegionären
raten? Wer sollte sich bewerben, wer sollte es lieber bleiben lassen?
Erst einmal die Schule zu Ende machen, dann eine Berufsausbildung und
zur BW gehen und dort schon mal "olivgrüne" Luft schnuppern.
Man sollte schon an später denken, damit man nicht mit 25, 30, 35
oder gar 40 als Hilfsarbeiter neu anfangen muss! Drogenfreunde, Kriminelle,
Stricher und Konsolenrambos haben von vornherein keine Chance.
Welche drei Fragen würdest Du Ihnen stellen,
um einen ersten Anhaltspunkt zu bekommen, ob sie es ernst meinen?
Nur eine Frage und auf diese Aufbauen: W A R U M ? So macht es auch die
Légion und jede Firma.
Worin siehst Du die zukünftigen Aufgaben der
Fremdenlegion, vielleicht auch im Zusammenhang mit einem drohenden Irak-Krieg?
(Hier würde mich vor allem der Aspekt eines modernen Krieges interessieren.
Es gibt ja diese Tendenz zur "vollautomatischen" Kriegsführung
mit "chirurgisch präzisen" Eingriffen. Welche Rolle kann
die Légion in einem solchen Konzept spielen oder hältst Du
diese Idee eher für Unsinn, da Krieg letztendlich im Kampf am Boden
entschieden wird, wie Afghanistan eigentlich nahe legt?)
Die Tendenz zur "vollautomatischen" Kriegsführung mit "chirurgisch
präzisen" Eingriffen ist eine der schönsten Theorien, die
es gibt. Ohne Bodentruppen wird kein Krieg gewonnen, außer vielleicht,
wenn man das komplette Land im Schutt und Asche legt. Was so gut wie unmöglich
ist und erbärmlich viel Geld kostet. Aber auch da braucht man Bodentruppen
zum Aufräumen. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Fremdenlegion
heute nur noch aus ca. 8.000 Mann besteht und vollständig in der
französischen Armee integriert ist, welche eine Berufsarmee ohne
Wehrpflichtige ist. Massenschlachten mit viel Personal und Material sind
für die Franzosen ebenso wie für die BW kaum noch möglich,
die beide kaum noch operationell sind, da zu viele Truppen im Ausland
und in Übersee gebunden und in verschiedenen Missionen und Einsätzen
tätig sind: Afghanistan, Jugoslawien, Elfenbeinküste, Kongo,
Republik Zentralafrika usw.
Eine Frage zum Schluss: Wie stehst Du persönlich
zu einem Krieg im Irak und zum Krieg überhaupt? Wann ist Krieg als
Mittel akzeptabel?
Im Ehrenkodex des ehemaligen Fremdenlegionär heißt es: Ich
verbiete mir jedes Einbringen der Légion in allen politischen Aktionen.
Davon abgesehen fällt mir kein vernünftiger Grund ein, in den
Irak einzufallen. Außerdem wird es ab April dort ekelhaft heiß
und das dürfte für die Invasoren unangenehm werden. Auch glaube
ich nicht, dass es wieder so ablaufen wird, wie die Massenschlacht im
ersten Golfkrieg mit kaum Gegenwehr, sondern Häuserkampf und Partisanen
das Tagesgeschehen sein werden.
Eine politische Lösung ist fast immer vorzuziehen aber manchmal geht
es nicht anders und dann muss gehandelt werden! Gerade Berufssoldaten
sind die größten Pazifisten überhaupt. Sogar mehr, als
die Traumtänzer von Greenpeace oder den Grünen. Besonders die
Soldaten, die schon Kriege und Einsätze hinter sich haben, wie ich
auch...

NACHWORT:
Dieser Artikel soll keine Werbung
für die Fremdenlegion sein. Ob jemand diesen Schritt geht und was
er sich davon erwartet, muss jeder selbst wissen. Die Ausführungen
von Klaus stellen seine persönliche Meinung dar und werden von uns
nicht gewertet. Im Heft veröffentlichten wir damals seinen Brief
an Alle, die sich für die Kursen und Trainingsmöglichkeiten
zu Land, zu Wasser und in der Luft interessierten aber auch an der Gründung
eines internationalen Verbandes/Vereines, dessen Ziel es ist, über
die militärische und polizeiliche Kameradschaft der weltweiten Völkerverständigung
beizutragen. Nach Veröffentlichung des Artikels gab es keinen weiteren
Kontakt.
Die von Klaus angegebene Website
funktioniert allerdings noch immer: http://www.skykolb.com
Informationen zu Légion:
www.laLégion.de
- deutsche Informationsseite
http://www.Légionetrangere.fr
- offizielle Seite der Légion Etrangère
http://www.Légion-recrute.com/
- Offizielle Rekrutierungsseite der Légion
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