Robin Hood und Ned Ludd

Am 11. März des Jahres 1811 läuteten die Strumpfwirker in Nottingham mit ihren Demonstrationen gegen Lohnkürzungen und den Einsatz unqualifizierter, billiger Arbeitskräfte das ein, was dann bald darauf unter dem Namen Luddismus firmierte. Ihr Anführer war eine Figur so real und imaginär wie Robin Hood: im Namen eines Ned Ludd, dessen Herkunft und Existenz unklar ist, zu dessen Ehren aber bald Lieder gesungen wurden, verübten die Sherwood-Jungs und ihre Nachahmer aus umliegenden Landesteilen ihre Anschläge u.a. gegen Web- und Wirkrahmen. Es war das Fanal zu Unruhen, die bis Februar 1812 ohne Unterbrechung andauerten, so dass im Parlament 1812 die Frame-Breaking Bill eingebracht wurde, ein Gesetz, welches die Zertrümmerung von Wirkstühlen zum Kapitalverbrechen erklärte. Im Zuge der Ausbreitung der Aktionen verstärkte sich die Konfrontation mit den Manufakturbesitzern (bis zur Ermordung eines Fabrikbesitzers). In der letzten Welle des Aufstandes stand der Maschinensturm bereits nicht mehr im Vordergrund, vielmehr hatten sich zahlreiche politische Forderungen beigemischt, ebenso wie der Name Ned Ludd für bloßen Raub benutzt wurde. Vom Sommer 1816 an erlebte der Luddismus noch einmal eine Intensität, die an 1811 erinnerte und doch vom vormaligen Charakter einer von der Öffentlichkeit mitgetragenen Aktion entfernt war. Die professionellen Gangs, teilweise im Auftrag politischer Bewegungen, standen nun schon mitten im 19. Jahrhundert und seinen beginnenden Arbeitskämpfen. Der Luddismus hingegen war 1817 weitgehend diskreditiert. Dass er beendet wurde, liegt zum einen an den Maßnahmen des Parlaments, das mildernde Schritte einleitete (und die nicht lange Bestand hatten), zum anderen schlichtweg an der massiven militärischen Präsens. Zeitweise waren mehr Soldaten eingesetzt als Wellington gegen Napoleon zur Verfügung standen.

weiter

zurück