Wirtschaft und Zerstörung

Die Praxis der gezielten Zerstörung von Maschinen an sich galt als eine Art Tarifverhandlungen durch Ausschreitungen, in einer Zeit, als die Gewerkschaft noch nicht erfunden war. Dies meint kurzfristige Aktionen zur Durchsetzung von Forderungen, die auf anderem Wege nicht durchsetzbar gewesen wären, eben weil es an einer zünftigen wie gewerkschaftlichen Organisation mangelte.
Der Akt der Zerstörung selbst hatte nicht den symbolischen Wert einer betonten Haltung gegen die Maschine an sich, sondern war zur Zeit des Heimindustrie- und Manufaktursystems und des Aufkommens von Fabriken und Bergwerken traditioneller und fester Bestandteil der Auseinandersetzung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern. Man stelle sich also vor, die Arbeiter von Telekom würden die Leitungen kappen, um ordentlich entlohnt zu werden.
In der Tat ging es um Lohnforderungen, Preiserhöhungen der Ware oder darum die Anstellung fremder Arbeiter zu verhindern. Beim Zerstören der Maschinen, wie der Webstühle, versicherte man sich der Solidarität der Arbeiter und es war eine Absicherung gegen Streikbrecher. Diese Form der Auseinandersetzung hatte eine lange Tradition. Was die Situation veränderte und verschärfte war die Industrialisierung, die neue Maßstäbe forderte. Als die Ludditen 1811 in England losschlugen, begingen sie also keinen Tabubruch. Ihr Verhalten wurde als Teil der moral economy angesehen, die im frühindustriellen Zeitalter das Zusammenleben und -wirtschaften auf der Basis von Gegenseitigkeit und sozialer Absicherung regelte. Nur, dass die Freihandelspolitik (der Neoliberalismus des 19. Jahrhunderts) von dieser moral economy nichts mehr wissen wollte. Die Preise wurde über den Markt bestimmt, während man zuvor der Idee eines gerechten Preises folgte, der dem Arbeiter zugute kam. Der Begriff Maschinenstürmer steht bei uns oft für eine blinde Aversion gegen das Neue. Diese bornierte Sichtweise lässt Entscheidendes außer acht: Mit der Einführung von Maschinen begann die Zerstörung der Bräuche und Gewohnheiten der Gewerbe. Qualitätsstandards sanken durch Massenproduktion, Löhne wurde gedrückt und an die Stelle von Statusgrenzen trat die freie Konkurrenz.




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