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END OF A MISSION
Entstanden 1985 nach dem Split der Sisters Of Mercy, gehörten The Mission zu den wichtigsten Bands der Wave- und Independentszene der 1980er. Im Gegensatz zu anderen Protagonisten der Szene, deren Platten sich irgendwann nicht mehr verkauften, blieben die Britten immer gut im Geschäft auch wenn die Bandbesetzung häufig wechselte. Einzige Konstante ist Wayne Hussey, Sänger, Komponist und Texter von The Mission. Jetzt verkündet Hussey das Ende seines Kindes; The Mission begeben sich auf Abschiedstour. debil: Um alle Gerüchte zu klären: Bedeutet die Farewell Tour das Ende von The Mission? Wayne: Ja, ich plane andere
Sachen aber wer weiß? Vielleicht gibt es mal einen Zeitpunkt in
der Zukunft für ein Come Back aber momentan hab ich keinerlei Intentionen
in diese Richtung. Die letzten drei, vier Jahre habe ich sehr viel Energie
in die Band gesteckt und es gibt noch andere Dinge, die ich tun möchte.
Jetzt gebe ich mir die Zeit, das zu tun, was ich will. Ich bin seit 22
Jahren mit The Mission unterwegs, das ist der Großteil meines Erwachsenseins.
debil: Ihr seid auf Abschiedstour. Das ist eine gute Gelegenheit, sich einen Überblick über deine musikalische Karriere zu verschaffen. Ganz am Anfang hast du bei der Ska-Punk-Band Walkie Talkies und Dead Or Alive gespielt. Bitte erzähle uns etwas über diese Zeit und die Musikszene deiner Region. Wayne: Ich ging 1976 oder 77
nach Liverpool. The Walkie Talkies war die erste ernstzunehmende Band,
in der ich spielte. Wir spielten als Vorband für The B52s, Ultravox,
The Pretenders und ähnliche Bands, wenn die in Liverpool auftraten.
Wir hatten auch einige Shows mit Joy Division bevor die ihr erstes Album
veröffentlichten. Ich erinnere mich daran, dass die Band sehr nett
war aber Ian saß meist nur still in der Ecke. debil: Die Sisters Of Mercy waren in Deutschland immer eine Legende. Wie bist du zur Band gekommen? Wayne: Wir haben zu dieser
Zeit (1983) mit Dead Or Alive eine Platte für CBS aufgenommen. Während
dieser Aufnahmen wurde für mich immer klarer, dass ich in der Band
immer überflüssiger wurde. Ich war ein Gitarrist und in diesem
Alter will man spielen und auf der Platte zu hören sein. Ich hatte
den Fehler gemacht, einen Roland SH-10-Synthesizer einzuführen, an
den ich meine Gitarre anschließen konnte, wodurch ein Spielzeugsound
entstand. Wir haben das für einige Sachen genutzt. Damals waren die
Geräte aber sehr langsam und wir mussten uns als Band an das Tempo
des Synthesizers anpassen. Wir leibten den Effekt so sehr, dass alles,
was ich für die Gitarre schrieb letztendlich durch den Sequenzer
gejagt wurde, so dass ich mich irgendwann überflüssig fühlte.
Es war an der Zeit für mich auszusteigen. Zur gleichen Zeit verlor
Andrew Eldritch seinen Gitarristen und fragte die Plattenfirma, ob sie
ihm weiterhelfen könnte. Die haben mich dann empfohlen. Ich fuhr
also nach Leeds zu Andrew und bekam den Job, ganz ohne vorspielen. debil: Es gibt viele Gerüchte um die Sisterhood-Affäre, kannst du uns dazu etwas sagen? Wayne: Als Craig und ich die Band verließen, hatten wir keine Idee, wie wir uns nennen sollten. Weil uns nichts Besseres einfiel wählten wir den Namen "The Sisterhood" und Andrew regte sich sofort darüber auf. Wir haben einige Shows gespielt und er hat das Ganze auf seine Art zur Eskalation gebracht. Er wandte sich an die britische Musikpresse und das Ganze wurde für eine Weile eine richtig große Sache. Aber die ganze Geschichte hat weder uns noch den Sisters geschadet. Im Gegenteil: Ich denke mal, die Sache brachte uns beiden Publicity, als wir sie nötig hatten. Andrew löste das Problem indem er das "Gift"-Album veröffentlichte. Aber letztendlich ist es mir egal, am Ende war es kein guter Name.
Wayne: Um ehrlich zu sein,
ich kenne Andrew nicht besonders gut. Es ist kein Geheimnis: Als ich bei
den Sisters war, haben wir uns nicht ständig von Angesicht zu Angesicht
gesehen. Wir sind oder waren zwei sehr unterschiedliche Menschen und auch
unsere Arbeitsmethoden unterscheiden sich stark. Aber aus dieser Spannung
entstand sehr gute Musik. Es ist oft so, dass aus Spannungen zwischen
zwei kreativen Menschen etwas Einzigartiges entstehen kann und ich denke,
das ist bei uns passiert, zumindest für eine Weile. Aber dann wurde
es irgendwann Stress und man verschwendet sein Leben damit. Deshalb verließen
Craig und ich die Band, um The Mission zu formieren.
Wayne: Mein Gott, daran kann ich mich nicht erinnern. Zu dieser Zeit nahm ich eine Menge S Ich hatte eine Anzahl Songs parat, nachdem wir das Sisters-Album "First And Last And Always" beendet hatten. Ich war ein junger Musiker, der permanent neue Lieder schrieb. Vieles von dem, was später auf "Gods Own Medicine" erschien, hatte ich ursprünglich für ein zweites Sisters-Album geschrieben.
Wayne: Nein, das denke ich
nicht. Ich glaube wir waren im Studio. Als ich "Wasteland" einsang,
habe ich diesen Satz gesagt und der Produzent rief "Warte, warte
das war brillant. Lass mich das Band zurückspulen und dann machst
du das nochmal". Das war eins von diesen wundervollen, spontanen
Dingen. debil: "The First Chapter" war mein erste vollständiges The Mission-Album. Auf diesem Album gibt es zwei brillante Coverversionen. Waren Patty Smith und Neil Young deine Idole zu dieser Zeit? Wayne: Ich war und bin ein
großer Musikfan. Ich würde nicht behaupten, dass Petty Smith
oder Neil Young einen großen Einfluss auf mich hatten aber ich mag
vieles was sie getan haben. Diese zwei Lieder waren einfache, direkte
Songs, es war leicht für uns, sie zu lernen. Ich finde es einfacher,
meine eigenen Songs zu spielen als die Anderer.
Wayne: Ich meinte es ironisch, als ich sagte "God bless America" (Gott segne Amerika). Das ist einer der Sprüche, den Amerikaner sagen. Eigentlich verdamme ich in dem Song Amerika.
Wayne: Ich habe die letzten zehn Jahre nicht mehr in Großbritannien gelebt. Ich lebe jetzt in Brasilien und davor war ich in Kalifornien. Es ist mir ehrlich gesagt egal, was sie dort machen. Für mich wird es immer trauriger und trauriger, jedes Mal wenn ich zurückkomme. Ich komme gern nach Hause, habe Freunde und Familie dort und eine Menge Bekannte. Aber ich denke, als eine einzigartige Kultur und ein Land mit eigener Identität hat Großbritannien, soweit ich es verfolgen konnte, viel verloren. Es ist alles sehr "homogenisiert" worden. Aber am Ende ist mir das egal, solange es meine Freunde nicht betrifft. Es berührt sie nicht wirklich, zumindest scheint es so. Wenn man das ökonomische betrachtet: Die Dinge sind billiger geworden. Ich vermute mal, dass das für die Leute gut im materiellen Sinne ist. Aber gleichzeitig glaube ich, dass Großbritannien etwas verloren hat, seine Einzigartigkeit, die kulturelle Einzigartigkeit.
Wayne: Selbstverständlich.
Wenn ich traurig bin, streichle ich meine Gitarre oder ich setz mich ans
Piano. Wenn man an einem dunklen Ort ist, hat Musik die Kraft dich von
dort wegzutragen. Und wenn du glücklich bist, dann findet die Musik
einen Weg dies zu reflektieren. Musik ist das Leben! debil: Das "zusätzliche" Album "Grains Of Sand" erschien 1990. Auf diesem Album sind zwei großartige Liebeslieder: "Bird Of Passage" und "Devided We Fall". In beiden Songs findet sich sehr viel Verlust aber auch Hoffnung. Where do you get your inspiration from? Wayne: Es ist ein Klischee,
ich weiß: Es ist das Leben. Liebe, Leben, Sex
Dinge, die mir
geschehen oder von denen ich sehe, dass sie Anderen passieren. Manchmal
entstehen die Texte auch aus einem "Bewusstseinsstrom". Dann
weiß ich selbst nicht, was die Lyrics bedeuten sollen. Fünf
Jahre später, wenn ich den Song dann höre oder ihn grad auf
der Bühne vortrage, kann es passieren, dass das Ganze plötzlich
einen Sinn ergibt.
Wayne: Du bist nicht allein
damit, es gab viele Mission-Fans, die die Platte nicht mochten. Ich muss
aber dazu sagen, dass wir, hätten wir die Platte nicht gemacht, jetzt
nicht da wären, wo wir sind. Da bin ich mir sicher! Zu der Zeit fühlte
ich mich mit The Mission wie in einer Zwangsjacke. Die Band wurde sehr
formal. Wir hatten einen sehr formale Art des Arbeitens und wir mussten
diesen Prozess durchbrechen, um etwas für unsere kreativen Zellen
zu tun "Masque" hat das geschafft. Und ich denke auf dem Album
sind einige der besten Songs, die ich je geschrieben habe. Das ist keine
typische Mission-Platte aber gute Musiker versuchen über die Jahre
Verschiedenes. Manches davon ist gut und das wollte ich auch ausprobieren.
Wayne: Ich hab keine Ahnung. Ich dachte Mick Mercer mag uns gar nicht . Ich weiß, dass er dieses Gothic-Buch geschrieben hat, von dem ich ein Exemplar besitze aber ich wusste nicht, dass er auch Sampler zusammenstellt. "Raising Cain" ist ein guter Song. Ich denke "Neverland" wäre ein besseres Album, wenn es etwas kürzer wäre.
Wayne: (lacht) Gut! Ich liebe diese Vorstellung aber das ist etwas, was ich nicht kann. Ich kann nicht Musik hören, während ich Sex habe. Das ist sehr seltsam für mich. Wenn zum Beispiel Portishead läuft, fange ich an, auf die Akkord-Struktur und den Text zu achten. Für mich ist es das Beste, Sex zu klassischer Musik zu haben, da gibt es keine Lyrics. (lacht)
Wayne: Nein, es gibt eine Menge
Sachen, die ich nicht habe. Mir fehlen Exemplare der ersten zwei Singles
Normalerweise bekomme ich einige Tonträger und verschenke sie an
Freunde und meine Familie, wobei ich denke, dass ich später weitere
Exemplare bekomme, was dann aber nicht passiert. Ich bin kein Sammler.
Ich habe die meisten meiner Sachen aber mehr aus Zufall, als weil ich
da hinterher bin.
debil: Das neue Album "God Is A Bullet" kam im April vergangenen Jahres auf Cooking Vinyl heraus. Kannst Du uns bitte etwas über das musikalische und lyrische Konzept der Platte mitteilen.
Wayne: Es sind die selben Leute, wie vor zwei, drei Jahren, was eine sehr lange Zeit für mich ist: Mark Gemini-Thwaite an der Gitarre, Ritchie Vernon am Bass und Steve Spring am Schlagzeug.
Wayne: Manchmal passiert das schon und wir lachen über eine Erinnerung oder über jemanden, den wir damals kannten aber es ist nicht so, dass wir dasitzen und den "guten, alten Zeiten" nachheulen. Scheiß auf die Nostalgie und beweg dich in Richtung Zukunft. Diese Farewell-Tour dreht sich um Nostalgie aber es ist ein letztes Mal und ich habe diesen Weg gewählt, mich zu verabschieden. Ich denke aber, in der Show werde ich recht emotional und etwas traurig sein. Zur gleichen Zeit ist es aber auch eine Erleichterung.
Wayne: Nein, ich habe seit drei oder vier Jahren nicht von Craig gehört. Ich glaube er spielt noch immer mit Mike Peters in The Alarm.
Wayne: Nein, ich würde
nicht sagen, dass ich ein Soundfanatiker bin. Es gibt Bands, die filmen
jede Tour und bringen alle halbe Jahre eine neue DVD raus, sie machen
schnell und billig Alben und veröffentlichen ständig etwas.
Ich steh nicht darauf. Ich habe in der Vergangenheit einige Fehler gemacht,
was die Qualität der Produkte betrifft und es hat mir nicht gefallen,
Dinge zu veröffentlichen, hinter denen ich nicht stehe, an die ich
nicht glaube. debil: Du bist Gitarrist und Sänger. Kannst du uns einen Musikerwitz über einen Schlagzeuger oder Bassisten erzählen. Wayne: Wie nennt man jemanden, der mit Musikern rumhängt? Schlagzeuger. Natürlich kann man auch Singer oder Bassist sagen.
Wayne: Nach der Farewell-Tour gehe ich auf Solotour durch die USA gemeinsam mit Miles Hunt von The Wonderstuff. Dann werde ich Ende Mai / Juni einige Soloauftritte in Südamerika absolvieren. Danach verbringe ich etwas Zeit mit meiner Frau um zu entscheiden, wie's weitergeht. Wahrscheinlich wird es ein neues Soloalbum geben. Alles Wichtige ist auf der The Mission-Website zu finden, die weiterhin aktualisiert wird. Ich sollte vielleicht noch sagen, dass ich gerade ein Soloalbum aufgenommen habe, mit neu arrangierten Versionen alter Mission-Songs und einigen Coverversionen. Aber das wird's nur auf der Tour zu kaufen geben. Übrigens, das Album heißt "Bare".
Alle Bilder stammen von der The Mission-Website www.themissionuk.com |
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