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Murderous Visions from Painsville, Ohio
Momentan bin ich, Stephen Petrus, das einzige Mitglied von Murderous Vision. Das wird sich auch nicht ändern. Freunde helfen mir vo Zeit zu Zeit bei Liveauftritten oder im Studio aber ich fühle, dass es am besten funktioniert, der das Privileg hat, Entscheidungen zu treffen. Am Ende ist MV mein Kind. Ich denke nicht, dass es sich lohnt es mit jemandem zu teilen.
Ich habe versucht Musik zu machen, seitdem ich 14 Jahre alt bin. Ich fing als Teenager an, Gitarre zu spielen und wechselte mit 21 zur elektronischen Musik. Anfangs hörte ich eher konventionelle Industrial-Musik wie Skinny Puppy, was mich dann aber dazu geführt hat, Bands wie Megaptera oder Brighter Death Now zu entdecken. Ein wichtiger Umschwung, in der Tat! Ich begann 1993 oder 1994 selbst Industrial zu machen, damals unter dem Namen Norbert Lenski. Murderous Vision startete gegen Ende des Jahres 1994. Diese Anfangsphase ist in zahlreichen anderen Interviews dokumentiert, weshalb ich mir langweilige Wiederholungen erspare.
Anfangs waren es vor allem die Bands auf Cold Meat und Slaughter Production, die mich beeinflusst und beeindruckt haben. Ich mag das ganze Zeug noch immer und verfolge die Veröffentlichungen der Bands. Ich habe mich über Jahre nur mit Industrial-Musik beschäftigt, ich habe quasi nichts anderes gehört. Dabei habe ich aber auch meine Liebe für andere Musikstile wieder entdeckt. Ich höre mir viel Black Metal an bis hin zu psychedelischen Sachen und zu meiner Schande, Synthie Pop. Momentan sind Spiritual Front meine Favoriten. Simone erschafft einer der am meisten zu Herzen gehenden Musiken zurzeit. Ich kann in seinen Werken den Schmerz und die Traurigkeit spüren, den viele Bands gern ausdrücken würden, nur um kläglich daran zu scheitern.
Hmh, ich weiß nicht, ob jemals ein fest gefügtes Konzept existiert hat. Ich denke, das verändert sich mit meiner Stimmung und meinen aktuellen Interessen. Die etwas neueren Stücke sind etwas mehr autobiografisch als es die älteren es waren. Das ist auf einige Erkenntnisse zurückzuführen, die mir in den letzten Jahren gekommen sind. Dass ich erkannt habe, dass ich allein in dieser Welt bin und dass das Interesse anderer an meiner Person immer nur soweit geht, solange es ihnen nichts von ihrem Leben nimmt. Wenn ich am morgen erwache, dann bin einfach ich da, wenn ich nachts ins Bett gehe, ist es das Gleiche. Ich komme zu dem Schluss, dass es wenn ich einmal meinen letzten Atemzug mache, werde ich auch allein sein. Ich bin zum dem Punkt gekommen, dass ich das akzeptiere ohne dass es mir so sehr zusetzt wie zu der Zeit, als ich es begriffen habe. Ich glaube ich habe begonnen, es anzunehmen und es spiegelt sich in meiner nihilistischen Kunst wider.
Der musikalische Ausstoß von Murderous Vision hat sich über die Jahre in seinem Stil verändert. Kannst Du uns bitte sagen, warum? Ich neige dazu, die Musik zu schreiben, die ich gern hören möchte. Das ist die beste Art, sein Herz daran zu binden. Der Stil, den ich zu einer Zeit bevorzuge, findet auch immer Eingang in meine Musik. Ich möchte gern denken, dass ich als Künstler über die Jahre etwas gewachsen bin. Das macht es mir etwas einfacher die klanglichen Ziele zu erreichen, die ich mir gesetzt habe. Die Anfangstage waren ziemlich richtungslos, ich wusste nicht, wohin ich gehe oder wohin ich überhaupt gehen wollte. Das wird sehr offensichtlich, wenn man sich die ersten beiden Alben anhört. Bei "Suffocate The Final Breath" denke ich, begann ich zu sehen, was für mich musikalisch möglich war und daraus ergab sich die grundlegende Richtung für das Projekt.
Wie würdest Du Murderous Vision beschreiben? Was ist typisch für dein Projekt? Ich hoffe, es gibt nichts "typisches" für Murderous Vision. Ich würde es einfach als die künstlerische Arbeit von Stephen Petrus bezeichnen.
Für das aktuelel Album habe ich einen Korg Triton und einen Roland MC303 verwendet, sowie verschiedene Synthesizer und Sampler. Ich habe sehr viele Klangquellen und Samples verwendet. Klänge aus meiner Lebensumwelt und aus der Fabrik, in der ich arbeite. Das ist alles gespeichert auf meinem zuverlässigen Apple g4 Powerbook, das LogicPro verwendet.
Ich bin ein sehr trostloser Mensch, denke ich. Auf der anderen Seite spiegelt sich auch meine Art von Humor darin wider. Hat man mir mal gesagt. Ich sehe heutzutage sehr wenig, das mir eine helle Zukunft verspricht oder anderen. Alles, was mit Glück verbunden ist, ist von Falschheit umweht. Es ist zudem immer sehr kurzlebig. Dann kommt wieder die Einsamkeit.
Du kommst aus Painsville Ohio. Kannst Du uns etwas über dein Zuhause erzählen? Ich habe in einem Deiner Videos gesehen, dass es da eine Menge industrieller Brachen gibt. Man könnte es fas als "typisch Industrial" bezeichnen ;-) Ja, Painsville ist ganz sicher eine industrielle Landschaft. Es ist das untere Ende der Einkommensskala; Du kannst Dir vorstellen, welche Art Menschen hier leben. Das Gebiet ist regelrecht befallen mit illegalen Einwanderern, und verseucht von Verbrechen und Vergewaltigungen, die immer dort sind, wo Menschen unter solchen Rattenartigen Bedingungen leben, einfach nur, um in diesem Land zu sein. Painsville bedeutet Verbrechen, Armut, Depression, negative Gefühle und alles, was der Name impliziert, außer, dass ich es hier liebe.
Die existiert nahezu nicht.
Es gibt eine florierende Circuit Bender Noise-Szene, von der ich gerade
erst etwas mitbekommen habe. (Unter Circuit Bender versteht man Geräte
mit niedriger Spannung, batteriebetriebene elektronische Tonerzeuger wie
Gitarreneffekte, Kinderspielzeuge oder kleine Synthesizer, mit denen meist
spontan Musik gemacht wird.) das sind meist jüngere Leute, denke
ich. Ich habe nichts gegen das, was sie tun aber ich glaube nicht, dass
ihnen Murderous Vision gefallen würde, also halte ich mich von der
Szene fern. Auf "Life's Blood Death's Embrace" ist Brethren einer Eurer Mitstreiter. Er wurde mal als "kontroverser Industrial-Musiker" bezeichnet. Kannst Du uns Näheres dazu sagen? Hmh, ich spreche nicht für ihn. Ich sage nur, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er etwas sagt, egal ob es dabei um seine Sicht der Welt oder Politik handelt. Er ist offen für intelligente Diskussionen mit jedermann. Seine Email-Adresse lautet threeheads@msn.com.
Wenn ich nach den Verkäufen und dem Vertrieb gehe, dann würde ich sagen, das größte Interesse ist in Europa festzustellen. Hier in meiner Region ist das Interesse an Murderous Vision eher gering. Ohio ist nicht gerade ein Ort für Musik abseits des Reiches der Rock- und Metal-Musik. Die bekanntesten Bands hierzulande sind Bands, sind Bullshit wie Kiss- und Motley Crüe-Coverbands. Es ist einfach lächerlich.
Mich kotzen viele politische Praktiken an, die diese Nation anwendet. Freiheit ist hier in den USA ein sehr veränderliches Konzept. Wir schauen zu, wie uns jeden Tag Rechte genommen werden. Alles unter dem Vorwand des Schutzes höherer Werte. Kommt Dir das bekannt vor? Ich tendiere dazu, diese Dinge aus der Perspektive eines Menschen auf einer einsamen Insel zu sehen, als eine eigene Nation. Wenn das nicht als legal betrachtet wird, dann ist es halt so. Ich benehme mich nicht wie ein Krimineller also denke ich, dass dieses Konzept moralisch korrekt ist. Das im Hinterkopf, komme ich gut klar. Es ist mir meist peinlich, Teil dieser Nation zu sein. Die Aktionen meiner "Landsleute" repräsentieren meine Ansichten oder Positionen diese Welt betreffend. Es ist sehr unglücklich, dass ich an diesem Ort geboren wurde. Ich unterstütze das politische System Amerikas nicht.
Sie wäre ausgelöscht.
Zurück zur Musik: Ein neues Album von Murderous Vision ist bereits angekündigt, "Cathartic Drifts in a Sea of Sadness". Was können wir erwarten und wann wird die CD veröffentlicht? Kommen wir in Deutschland ran? Es gibt einige Verzögerungen. Ich erwarte, dass zum Herbstanfang oder bestenfalls zum Ende des Sommers alles fertig ist. Ich muss noch am Artwork arbeiten und ich hatte einige Ausgaben, die mein Budget für die Produktion angegriffen haben. Die CD wird auf jeden Fall in Deutschland erhältlich sein, sogar weltweit. Ich habe ein sehr gutes Vertriebsnetzwerk in Europa und Asien und falls alles schief geht, kann man die CD auch direkt bei mir zu einem vernünftigen Preis bestellen.
Ich kann meine Zukunft nur bis zur Veröffentlichung des neuen Albums und einer möglichen Europa-Tour im Februar 2008 vorhersagen. Andere Pläne hab ich nicht. Ich will derzeit nur diese Dinge tun, mehr nicht. Jetzt an die Zukunft zu denken hinterlässt bei mir ein trostloses Gefühl.
Gut, das bekannteste ist In Death's Throes, wo ich von 1998 bis 2003 dabei war, bis das Projekt verschwand. Ich habe derzeit noch ein Projekt mit dem Live-Drummer von Murderous Vision am Start, "Tempered Decay". Wir arbeiten an einem Vollzeit-Album aber andere Verpflichtungen von uns beiden haben dafür gesorgt, dass das Ganze erst einmal auf Eis gelegt ist. Ich bin aber sicher, dass es weitergeht
Ich nehme keine Demos an. Die letzten Jahre war das Label vor allen Dingen ein Vehikel für die Arbeiten von Murderous Vision. Mit Ausnahme der Doppel-CD von Megaptera. Mit Peter Nystrom zusammenzuarbeiten, war erstaunlich. Ich hatte mal mehr Energie, andere Künstler zu unterstützen aber ein Künstler hat das alles versaut, weil er ein Arschloch war. Ich habe 1.300 Dollar ausgegeben, nur dafür von ihm beschimpft zu werden, als er bei einem größeren Label landete. Wenn ich im Februar nach Belgien fahre, statte ich ihm vielleicht einen Besuch ab und gebe ihm die Möglichkeit, mir die Sachen ins Gesicht zu sagen. Vielleicht veröffentliche ich auch wieder andere Künstler in der Zukunft, aber das ist ganz allein meine Entscheidung. Ein Demo überzeugt mich meist nicht soweit, um die Menge an Geld zu investieren, die es für eine Veröffentlichung braucht.
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