Nach dem verlorenen ersten Weltkrieg kochte das germanische Gemüt. Geschlagen vom gallischen Feind galt es, dem arischen Volk zu alter Stärke zu verhelfen. Germanische Orden und deutsche Verbände schossen, vor allem in Bayern, wie Pilze aus dem Boden. Einer ihrer Dachverbände hieß Thule-Orden, ein als Geheimbund organisierter "Spielplatz" Münchener Großindustrieller und vom Krieg enttäuschter junger Adliger. Das Logo des Bundes war das Hakenkreuz (germanische oder indische Sonnenrune). Rudolf von Sebottendorff, die führende Person in diesem Kult, iniziierte schon am Anfang auch einen militanten Thule-Kampfbund mit den Worten:
"Unser Orden ist ein Germanenorden, Germanisch ist die Treue. Unser Gott ist Walvater ...

Eine Zeit wird kommen des Kampfes, der bittersten Not, eine Zeit von Gefahr! Wir sind alle gefährdet, die wir in dem Kampfe stehen, denn uns heißt der Feind mit dem grenzenlosen Hasse der jüdischen Rasse, es geht jetzt Aug um Aug, Zahn um Zahn ...". Bisweilen koordinierte dieser Kampfbund die Einsätze der verschiedenen Freikorps-Einheiten zur Zerschlagung der Räterepublik.

Im selben Jahr (1919) kaufte die Thule-Gesellschaft die Zeitung "Münchener Beobachter", die fortan "Völkischer Beobachter" hieß. Alfred Rosenberg, später "Chef-Ideologe" der NSDAP und Minister für die besetzten Ostgebiete, war Schriftleiter und begann, das wüste Konglomerat aus proto-faschistischen Ideen volkstümlich und annehmbar für den "normalen" Nationalisten zu gestalten. Er war es auch, der mit "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" DAS Buch des frühen deutschen Nationalsozialismus geschrieben hat und damit auch die Grundzüge der Bewegung festlegte, lange bevor sich Hitler an die Spitze setzte. Frühe Mitglieder waren auch Himmler und Rudolf Heß. Hitlers gelegentliche Kontakte zur Thule-Gesellschaft sind erwiesen, Mitglied war er nie. Ihm gab der Geheimbund ein anderes Podium.
Auf Sebottendorff geht die Gründung der DAP durch einen "unschuldigen" Arbeiter zurück . Diese Taktik war nötig geworden, da die Alldeutschen Verbände auch illegal agierten (Putsch ist kein Mundraub). Aus der Deutschen Arbeiter Partei ist durch Rosenberg dann schnell die NSDAP geworden mit der auch Hitler schnell in Kontakt war, erst als Spitzel der bayrischen Regierung, dann als begeisternder Redner und kometenhaft schnell bald als ihr Führer. In ihm war der germanische Messias gefunden, der die Menschen auf seine Seite, auf die Seite des germanischen Weltreiches bringen konnte, er hat sogar selbst daran geglaubt. Schwer ist die Frage zu beantworten, wie weit Hitlers Weltbild von den Ideen der Thule-Gesellschaft beeinflußt war. Das Hakenkreuz, der absolute Führerkult, die beiden Sieg-Runen der SS, der Gruß "Sieg Heil" und Hitlers Gerede von Vorbestimmung, Prophezeihung und Zeit der Gefahr (usw.) sind Relikte von Thule.
Als die Macht da war, brauchte niemand mehr den Steigbügelhalter Mystizismus, Hitler hatte ihn verinnerlicht und verkörperte selbst seine eigene Religion. Ein Allgermanischer Urglaube stört diese Führer-Religion. Die Thule-Gesellschaft wurde 1936 verboten mit allen anderen Sekten. Die SS war wie ein Ritterorden aufgebaut mit eignen Graden und Abteilungen wie das "Ahnenerbe", Himmlers "Kind". Runenkunde, Archäologie, germanische Religion bis hin zu den Zuchtklöstern des "Lebensborn" waren die Aufgaben des "Ahnenerbes", man grub die Wikingerstadt Haithabu aus, forschte bei den Externsteinen, stattete eine Nordexpedition aus, um Thule zu finden und durchkämmte Afrika, Tibet und Indien nach arischen Artefakten. Auch mit der Befragung sensitiver Personen hat man sich befaßt. Goebbels machte sich öffentlich über Himmler lustig "mit seinem Runengeraune und Rassengerassel".

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