Auch wenn ich diesmal selbst nicht vor Ort bin, so haben wir doch einen Korrespondenten in der Messestadt, der uns ausführlich über die Geschehnisse berichten wird. Selbstverständlich setzt der Kollege andere Schwerpunkte als ich...

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Schwarzes Leipziger Allerlei

Nun ist es wieder bald so weit. Bereits zum 18ten Mal wird zum alljährlichen schwarzen musikalischen Leipziger Allerlei gerufen. Für alle Freunde der Dunkelheit, von A bis Z, ist für jeden Geschmack was dabei. Da heißt es das Programm studiert und einen exakten Schlachtplan entworfen, wann und wo die Highlights zu erhaschen sind…
Oder man geht einfach hin, um Spaß zu haben und nette Menschen kennen zu lernen. Die Interessen und Motive zum WGT zu gehen, sind so vielfältig wie das schwarze Volk selbst, das alljährlich für vier Tage durch Leipzig flutet. Ein paar persönliche Empfehlungen möchte ich an dieses Stelle aber doch geben. So habe ich CAMERATA MEDIOLANESE noch nie gesehen, CLAN OF XYMOX konnten mich schon vor zwei Jahren überzeugen, also gern noch mal. Unter dem Namen ANOK PE CURRENT 93 geben sich die Herrschaften um David Tibet die Ehre; eine gute Gelegenheit den britischen Ausnahmekünstler einmal in Augenschein zu nehmen ohne Unsummen dafür zu zahlen.
Mit DIE ART erhält eine DDR-Indiewave-Legende zu Recht eine Plattform in ihrer Heimatstadt; wer sie bisher noch nicht gesehen hat, der sollte die Leipziger auf keinen Fall verpassen. Die alten Fans sind sicher vor Ort.
Auch DIE FORM ist immer einen (scheuen) Blick wert, 18 sollte Mann oder Frau allerdings schon sein, sonst kann es passieren, dass der Eintritt verweigert wird. Ohne erotische Höhepunkte dafür mit allerhand Kostümierung bieten auch FEINDFLUG was fürs Auge der Fans. Ein besonderes Schmankerl für alle Freunde depressiver Punkmucke dürften die FLIEHENDEN STÜRME sein, ein Urgestein der Szene, das ganz allein mit wütender bis melancholischer Musik und intelligenten Texten zu überzeugen weiß. HERBST9 sind hingegen eher etwas für die ruhigeren Zeitgenossen, die guten Ambient und eine Prise Mystik schätzen. Aus meiner Sicht das Highlight des Jahres sind KMFDM, es lohnt sich also unbedingt, sich in die AGRA reinquetschen. Die seit 1984 aktive deutsch-amerikanische Gruppe gehört zu den Pionieren des Crossover zwischen EBM und Techno verziert mit harten Gitarrensamples - das Konzert wird auf jeden Fall eine echte Explosion. Der Titel des aktuellen Albums heißt nicht umsonst "Blitz".
Bereits seit Anfang der 1990er im Geschäft sind die britischen Doomrocker MY DYING BRIDE. Wer etwas für schwere, düstere aber kraftvolle Musik übrig hat, der sollte unbedingt hingehen und mitschmachten. Sehenswert sind sicher auch OF THE WAND AND THE MOON. Der dänische Neofolker mit Einflüssen von Death In June präsentiert die Songs seines pressfrischen Albums "Solanaceae".
Empfehlen möchte ich auf jeden Fall auch OPETH. Die Metaller mit Düstergarantie sind eine der kreativsten Death Metal-Bands Schwedens und das will schon was heißen. Die 1994 gegründete Band punktet mit Schnelligkeit, Härte und überzeugende atmosphärische Passagen. Für die Freunde des Paganmetals ist TYR von den Färöerinseln (!) am Start. Die Nordmänner zeigen ihren skandinavischen Kollegen, wo der Wiking-Hammer hängt.
OSTARA sind bekannt für ihre Mischung aus Neofolk und Pop. Mit "The Only Solace" haben die Mannen um Richard Leviathan soeben ein neues Album veröffentlicht.
Die Russische Band OTTO DIX kenn ich überhaupt nicht, aber als Geraer muss ich den berühmtesten Sohn der Stadt unbedingt empfehlen. Bei Myspace hört sich das Ganze auf jeden Fall recht eigen an. Übrigens ist mein Hauptargument fürs WGT die Chance auch mal Unbekanntes zu entdecken, denn wo hat man für so wenig Kohle schon mal die Chance so viele Bands zu sehen, darunter auch solche, die man noch nicht kennt? Bis jetzt waren immer ein paar Perlen dabei.
Qualität
QNTAL, mittlerweile ohne Lakaien-Komponist Ernst Horn, kombinieren mittelalterliche Stücke mit zeitgemäßen Sounds. Soeben ist mit "Purpurea" die erste offizielle Werkschau des 1992 gegründeten Projektes erschienen. Freunde epischer Klänge sollten sich das Konzert nicht entgehen lassen. Qntal spielen übrigens zweimal, einmal davon im heidnischen Dorf. Unbedingt hingehen!
Zu SONAR muss nicht viel gesagt werden. Das Rhythmus-Industrial-Projekt von Urgestein Dirk Ivens (Absolute Body Control, Dive, Klinik) und Eric von Wonterghem (Monolith, Klinik, Absolute Body Control, Insekt) haut wie immer voll auf die Ohren und ist dank heftiger Lichtshow und energetischem körperlichen Einsatz von Herrn Ivens auch etwas für die Augen. Wie kann einer allein so auf der Bühne rocken? Ein echtes Phänomen!
Ein weiteres Phänomen und der größte Künstler überhaupt ist natürlich NOCTULUS. Wenn´s in der Agra mal hackt, ist der selbsternannte Retter der Welt immer ein Garant für gute Laune gewesen, und das ist es doch, worum es wirklich geht!

Alle Wege führen zu Pfingsten nach Leipzig, ich hoffe wir sehen uns.

JM

 

Unbedingt sehenswert:
6Comm + Neutral + Peter Murphy + Section 25 + Specimen + Theatre Of Hate + Troum + UK Decay

 

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