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Fahrenheit
9/11
Da sitzt er zusammengefaltet,
der mächtigste Mann der Welt und weiß nicht, was er tun soll. Dieses Bild
vom 11. September 2001 als Georg Dappel-Juh von den Einschlägen der Flugzeuge
in WTC erfährt, bleibt haften. Mr. President lauscht gerade Erstklässlern
in einer Schule in Florida. Als ihm einer seiner Mitarbeiter die unangenehme
Nachricht ins Ohr flüstert. Sieben lange Minuten grübelt der, was nun
zu tun sei. Man ist fast dankbar, dass die Zeiten atomarer Kriegsszenarien
vorbei sind. Michael Moore spekuliert darüber, was in diesen endlosen
Minuten in Bushs Kopf vorgeht. Ob richtig oder falsch sei dahingestellt.
Der oberste Führer der letzten Supermacht ist ratlos. Niemand sagt ihm,
was zu tun sei. Doch dieser Zustand hält nicht lange an, bald hat der
Putschpräsident wieder all die Mittel parat, mit denen sich Ordnung und
Sicherheit aufrechterhalten lassen: Einschränkung der Bürgerrechte, Krieg
und faule Propaganda. Georg weiß, dass er sich auf seine Pappenheimer
unter den "haves und have mores" verlassen kann: "Some call you an elite.
I call you my base."
Michael Moores Film ist im Vorfeld häufig kritisiert wurden, dass er einseitig
wäre und polemisch. Selbstverständlich ist er das, muss es sogar sein,
will er sich im amerikanischen Medienmainstream behaupten. Es geht dem
schwergewichtigen Filmemacher nicht darum, Argumente auszutauschen, sondern
einfach einen anderen Blick auf die Dinge zu werfen. Spätestens mit dem
Kapitel Irakkrieg verliert Moore jedoch seine Bösartigkeit. Wie viele
seiner Landsleute ist er Patriot und wünscht sich nichts sehnlicher als
dass er seiner Regierung trauen könnte. Doch die Bilder sprechen eine
andere Sprache: von den arroganten Abgeordneten, die ihre Kinder nie zur
Armee schicken würden und den einfachen Leuten, die für eine gute Sache
zu kämpfen glauben und dafür sterben. Von der Brutalität und Sinnlosigkeit
des Konflikts im Irak und seinen Folgen für die einfachen Menschen und
den Gewinnaussichten der Großunternehmen.
Mit Fahrenheit 9/11 zeigt Michael Moore eine hoffnungslos gespaltene Gesellschaft,
in der eine kleine Clique mafiöser Superreicher die Geschicke des Landes
in ihre schmutzigen Hände genommen hat. Die Rechnung zahlt die eigene
Bevölkerung (11. September) und die Bewohner der Länder, auf die die Geier
des Kapitals ihr Auge geworfen haben. "One Nation under god" und dieser
Gott heißt Mammon. Zum Glück gibt es auch in den USA noch Menschen, die
sich das Denken nicht verbieten lassen, wie Michael Moore.
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