Die Nacht der lebenden Toten

Einer der ersten wahrnehmbaren Zombiefilme der 60er ist "Die Nacht der lebenden Toten (Night Of The Living Dead)", ein Meilenstein des neuen Zombiefilms, der nichts gemein hat mit Filmen wie "White Zombie" aus dem Jahr 1943 mit Bela Lugosi. George Romero, der Vater aller Zombiefilme drehte mit "Die Nacht der lebenden Toten" seinen ersten Film, der zu einem Eckpfeiler des Genres wurde.


Die Handlung:
Die beiden Geschwister Barbara und Jonny wollen den toten Vater auf einen Friedhof besuchen. Sie unterhalten sich darüber, wie nah sie ihm standen. Während Jonny versucht Barbara Angst zu machen, wird er von einem Mann angegriffen und getötet. Barbara kann sich mit dem Auto vom Friedhof retten. Auf ihrer Flucht sieht sie, wie immer mehr dieser merkwürdigen Gestalten auftauchen.
Barbara verursacht mit dem Wagen auf der Flucht einen Unfall. Sie kann sich in ein nah gelegenes Farmhaus retten. Sie versucht sich zu verstecken und entdeckt beim Erkunden des Hauses eine entstellte weibliche Leiche, doch das bleibt nicht die einzige Überraschung. Barbara muss erkennen, dass sie nicht alleine im Haus ist: Ben ein Überlebender, versucht die nach einem Schock apathische Barbara zur Vernunft zu bringen. Er erzählt ihr dass er auch auf der Flucht sei; sein Auto hatte einen leeren Tank und das Farmhaus bot ihm Schutz. Ben schickt sich an, das Haus zu sichern, er versucht immer wieder die ständig angreifenden Zombies zu verdrängen.
Nachdem Ben das Haus notdürftig gesichert hat, entdeckt Barbara, dass sich noch fünf weitere Personen im Keller des Hauses versteckt halten: Harry und Hellen Copper mit ihrer von Zombies verletzten Tochter und das junge Paar Tom und Judy. Harry zeigt sich wenig kooperativ, das Haus zu sichern und eine Lösung der Probleme zu finden, er zieht es vor, im Keller des Hauses zu bleiben und zu warten.
Fernsehen und Radio berichten, dass die lebenden Untoten sich immer mehr ausbreiten und menschliches Fleisch bevorzugen. Es wird berichtet, dass man die Zombies nur zerstören kann, wenn man ihre Gehirne zerstört. Des Weiteren wird gezeigt, wie sich eine Bürgerwehr formiert.
Tom, Ben und Judy fliehen zu dem Auto und wollen es an einer nah gelegenen Zapfsäule betanken, um allen die Flucht zu ermöglichen, doch es ist zu spät, die Zombies sind schon da und das Auto mit Tom und Judy explodiert. Ben kann sich retten und Tom und Judy werden von den Zombies gefressen. Harry will Ben nicht in das Haus lassen; nur mit Mühe kann de ins Haus gelangen.
Der Streit zwischen Harry und Ben eskaliert, Ben erschießt im Kampf Harry. Getroffen stürzt Harry die Treppe hinab und stirbt. Seine Tochter erwacht und mutiert zu einem Zombie, sie frisst ihren Vater an. Die Mutter verkennt aus Liebe zu ihrer Tochter die tödliche Gefahr; sie wird von ihrer Tochter mit einer Maurerkelle erstochen.
Die Zombies attackieren das Haus, sie verschaffen sich gewaltsam Zutritt. Barbaras Bruder Jonny und die ganze Horde zerren Barbara zu Boden. Ben verschanzt sich im Keller, er entdeckt das die Coopers selbst zu Zombies geworden sind; er schießt allen in die Köpfe. Ben versucht im Keller auf Rettung zu warten.

Am nächsten Morgen hört Ben Menschen. Er kommt aus dem Keller heraus und wird von der Bürgerwehr für einen Zombie gehalten und in den Kopf geschossen. In der nächsten Einstellung wird gezeigt, wie Bens Leichnam mit einem Fleischerhaken auf einen brennenden Scheiterhaufen gezogen wird. Das beste Ende eines Horrorfilms. Kein Happy End!

 

Der Film zeigt sehr deutlich die Bestie Mensch. Symptomatisch: Die Bürgerwehr macht sich einen Spaß die hilflosen Zombies zu misshandeln. Hier wird deutlich die Stimmung wiedergegeben, die sich Ende der Sechziger Jahre in der amerikanischen Gesellschaft verfestigt hat. Ein Krieg, der alle Bevölkerungsschichten spaltet, Aufbruch und Unruhen wegen der Rassentrennung. Die Armut der schwarzen und weißen Bevölkerung und ein ermordeter Präsident, ein Idol des Amerika der 60er. Die Bevölkerung ist verunsichert. Der Pöbel sucht sich ein Opfer: diesmal keine Schwarzen oder Juden; nein Zombies sind die Sündenböcke eines verrückt geworden Mobs. Wer ist das Gesetz, wer ist hat das Recht auf Existenz? Romero stellt die Zombies als ganz normale US-Bürger dar, keine Dämonen oder Ähnliches, nur zu Zombies mutierte Staatsbürger.
Nach diesem Film folgten bis auf wenige Ausnahmen nur noch schlechte Kopien, die zum Teil aber in ihrer naiven Machart Kult geworden sind. Erst "Dawn of Dead" von 1978, welcher ebenfalls von Romero gedreht wurde, ist ein würdiger Nachfolger von "The Night of Living Dead"...
Der Film wurde mit dem verhältnismäßig geringen Budget von 114.000 $ gedreht. Trotz seiner preiswerten Herstellung ist er grandios; er begrüdet eine neue Erzählform des Genres. In einer Zeit, in der noch Hammer Production am Fließband produziert, geht Romero einen eigenen Weg. Die Dreharbeiten begannen 1967 in Pittsburgh. "The Night Of The Living Dead" war eine typische Laienproduktion, selbst das Auto von Barbara gehörte eigentlich der Mutter eines Mitgliedes aus dem Drehstab. Freunde und Bekannten Romeros arbeiteten in ihrer Freizeit an diesen Film mit. In den 1980ern gab es eine Neuverfilmung von Tom Savini, die jedoch von der Vorlage abweicht: Barbara ist hier eine starke Person, die auch als einzige überlebt.
Romero selbst nannte den Film "Carnival of Souls" aus dem Jahr 1962 als eines der Vorbilder seines Schaffens, was man als Kenner des Genres bestätigen kann. Mit dem Film entstand ein US-amerikanischer Stil, der nichts mit europäischen Standards gemein hatte.

RV

 

 

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