Fliehende Stürme
Kassablanca Jena, Freitag 28. Februar 2003

Die Fliehende Stürme sind eine von den wenigen Punkbands, die man ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen kann. Keine Drei-Akkord-Schrammelei und kein "Bullen Raus"-Geplärre oder "Sauflieder". Stattdessen lebensschwere Musik und ebensolche Texte, ohne Pathos und fernab aller Klischees. Uneingeschränkt empfehlenswert sind sie trotzdem nicht, da sie ihr Publikum polarisieren. Während auf der einen Seite euphorische Fans nach jeder neuen Platte gieren, ist der Rest nur genervt. Andreas Löhrs Stimme ist nicht nach jedermanns Geschmack, wirkt immer etwas quengelnd. Dafür hat der Mann aber was zu sagen und wer zuhört, der lernt was fürs Leben.

   

Live sind die Fliehende Stürme eine Macht. Im Jenaer Kassablanca lieferten sie eine gelungene Mischung älterer und neuer Stücke. Los ging alles mit dem "Chaos". Das Publikum war sofort voll bei der Sache, einige Verrückte tanzten die nächsten anderthalb Stunden durch. Die Musik der Stürme ist leidenschaftlich, düster, mitreißend und live kommt dazu die negative Energie von Herrn Löhr, dem mensch auch ungern allein im Dunkeln begegnen möchte. Was selbiger über das Publikum gedacht haben mag, lässt sich nur raten. Sein Gesichtsausdruck war völlig regungslos, ab und zu spielte ein zynisches Zucken um seinen Mund. Die vielen Jahre im Geschäft werden ihren Anteil daran haben. Wäre schön, wenn alle Mittvierziger noch soviel Energie hätten…

  

Kleine Nebenbemerkung: Das Kassablanca ist ein richtig toller Klub, was Größe und Clubbetreiber betrifft. Danke für den schönen Abend.

 

zurück        nach oben