V.A. - Dark Ambient Radio Vol. 1 (CD, Darkambientradio.de)

Dark Ambient ist ein sehr weites Feld. So weit, dass es sich lohnt, dafür ein eigenes Internetradio anzubieten. Das Medium ist für das Genre nachgerade ideal, sitzen doch Macher und Rezipienten gut verteilt in der ganzen Welt, die Szene ist mehr virtuell als real. Dark Ambient ist und bleibt ein Nischengenuss. Für eine ernsthafte Kommerzialisierung eignen sich die dunklen, oftmals Furcht einflößenden Sounds kaum. Weder lassen sich damit tolle Produkte vermarkten, noch erweckt die Musik irgendwie den Anschein, dass sie einen nacheifernswerten Lebensstil repräsentiert. Nur Fans von Horrorfilmen dürften sich auch ohne musikalische Vorbildung schnell mit den ultradüsteren Klangwelten anfreunden. Noch ein weiterer Aspekt spricht "gegen" Dark Ambient: Die Musik ist teuflisch langsam, was nachgerade ein Blasphemie in der heutigen Zeit darstellt. Um in die Landschaften aus finsteren Tönen eintauchen zu können, muss man sich darauf einlassen und vor allem die innere Ruhe bewahren…
Die vorliegende Kompilation präsentiert elf Titel von Musikern aus ganz Europa und den USA, die alle den stilistischen Vorgaben des Genres entsprechen. Trotzdem sind die Tracks vielfältig, von klassisch-schwelgerisch (Phelios) über statisch-kalt (Svartsinn & All Sides) bis hin zu martialisch (Ah Cama-Sotz). Der Sound ist mal klar, mal wieder etwas matschig, in Summe jedoch immer gut. Einzelne Stücke herauszuheben wäre ungerecht, persönlich gefallen mir insbesondere Phelios und False Mirror. Bei Letzteren fasziniert die kraftvolle, fast schon mystische Stimmung. Etwas unangenehm stößt der Mytrip-Beitrag mit seinem albernen Horrorlachen auf.
Besonders positiv an dieser CD ist die Tatsache, dass sie ein Produkt echter Netzwerkarbeit ist. Die beteiligten Künstler haben das Werk selbst produziert, nur moderiert vom Darkambientradio-Administrator Thomas, der auch für das Layout verantwortlich zeichnet. Während die Informationen, die der Tonträger im Booklet mit sich bringt, den Interessierten alles Notwendige an die Hand geben, tiefer in die Materie zu dringen, schreckt das breiig-braune Artwork eher ab (Sorry, aber mit dieser Meinung stehe ich nicht allein). Was auf der Seite einigermaßen funktioniert, geht gedruckt als Cover komplett in die Hose. Dies ist aber das einzige Manko des Gesamtwerkes und sollte niemanden davon abhalten, das Projekt durch den Kauf der CD zu unterstützen.

Titel:
1. Phelios - Gradius
2. Svartsinn & All Sides - Falling Pt. 2
3. Dark Muse & Nihil Communication - Friday 13th
4. Nagual Art - Birds From Zeroland
5. Evoke Scurvee - II
6. Mytrip - Anthropophagus
7. Stephen Parsick - Tupilak
8. Ah Cama-Sotz & All Sides - Near God Closer To Hell
9. Megatone - Universal Memory Access
10. Phobos - Entering The 9th Circle
11. False Mirror - Enlil


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