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Ihr macht seid
1994 zusammen Musik, den Namen ECHO WEST habt Ihr Euch aber erst im Jahr
2000 zugelegt. Erzählt uns bitte etwas zu Euren Anfangsjahren. Was für
eine Musik habt Ihr gemacht? Wie hat alles angefangen?
So um 1979 rum war ich für ein paar Jahre in einem Gesangsverein.
Eigentlich nannte dieser sich zu der Zeit Knabenchor. Im Laufe der Zeit
haben aber auch Mädels mitgesungen. Als der Stimmbruch einsetzte war es
dann erst mal vorbei mit dem Knabenchor. Ab ca. 1984 wurde der Wunsch
nach einer E-Gitarre immer größer. Über meine liebe Tante bekam ich dann
einen kleinen Verstärker geschenkt, der auch heute noch bei Fallen Apart
tragender Bestandteil des Gitarrensounds ist. In dieser Zeit gab es dann
ein kurzzeitiges Projekt mit einem Schulkollegen. Im Rahmen unseres Musikunterrichts
kreierten wir als Aufgabe und Höhepunkt eine experimentale Vertonung des
Sonnenaufgangs. Ende der 80er wurde ich Gitarrist bei FUNERAL ADDRESS.
Wir hatten damals einen trockenen Drumcomputer, einen grollenden Bass
und eine geflangte Gitarre im Einsatz, die von einem monotonen Gesang
überlagert wurde. Der Gesamtsound war schon relativ dunkel und Gothic
a la Joy Division. Da Ralf Dunkel und ich gerne auch mal einen melodiöseren
Gesang gehabt hätten, durfte der Sänger nicht mehr mitmachen und ich wurde
der neue Sänger. Allerdings war ich echt schlecht, aber melodiöser. Später
kam ein richtiger Schlagzeuger dazu, der das ganze im Laufe der Zeit in
Richtung Metal entwickeln wollte. Das nagte natürlich an unseren Grundfesten
und an unserem Geschmack. So gesellte sich Axel Burgard zu uns und wir
benannten uns in FALLEN APART um. So um 1993 begann ich mit den mir zur
Verfügung stehenden Mitteln eigene Songs zu gestalten. Erst mit Gitarre,
Bass, Drumcompi, dann auch mit Synthies. Als Ergebnis dieser Phase habe
ich selbst mal ein Tape unter die Leute gebracht. Eine Seite gitarriger
Sound unter dem Namen DEKAY, auf der anderen Elektronik und Noise unter
dem Name INTENSIVE CARE UNIT. Mit DEKAY hatten wir auch ein paar wenige
Auftritte, wobei wir auch stets ein paar Elektrosongs gespielt haben.
Später entstanden krachige und nebenbei auch immer wieder mal poppige
Stücke. Im Rahmen des Projekts SEKTION EINHEIT und FEAR kamen auch mal
2 Stücke auf einem Sampler raus. Letztenendes wurden einige der alten
Minimalelektronik- und Noisestücke unter dem Namen ECHO WEST auf MembrumDebile
veröffentlicht und waren eine klasse Motivation, um in diesem Rahmen weiterzumachen.
Als der Drang und Ruf nach einer livetechnischer Umsetzung des ECHO WEST
Materials stärker wurde, bot sich Adrian Köhler als Verstärkung an. Zusammen
haben wir zu dieser Zeit bei AELDABORN musiziert und so passte die Kombination
recht gut. Aktuelle Vorhaben werden im Rahmen von ECHO WEST, AELDABORN
und FALLEN APART weiter in die Tat umgesetzt.

Da Ihr aus
Dortmund kommt, habt Ihr natürlich das Recht Euch Echo WEST zu nennen
;-). Aber mal im Ernst - was für eine Idee steckt hinter diesem Namen?
Auf Eurer Website schreibt Ihr, dass der Projektname aus dem Gedanken
entstanden ist, dass elektronische Musik Teil der westlichen Kultur ist
und wir, die Konsumenten und Schaffenden, als kreativer sowie destruktiver
Teil dieser Kultur von ihr geprägt sind. Könnt Ihr diesen Gedanken näher
erläutern?
Der Name ECHO WEST wurde zunächst während der Suche nach einem passenden
Projektnamen für die erste Veröffentlichung gewählt. Warum gerade dieser
Name ? Persönlich sehe ich sämtliche meiner musikalischen Favoriten als
einen emotionalen Ausdruck des Lebens, welches insbesondere durch die
europäische Nachkriegszeit geprägt worden ist. Zu diesen musikalischen
Ausdrucksformen zähle ich jetzt mal die Sounds der unterkühlten Elektronik
und der generell melancholischen Musik, die wie auch alle anderen westlichen
Musikrichtungen durch einen musiktheoretischen gradlinigen Aufbau der
Takte und der Harmonien kennzeichnet. Diese musikalische Struktur und
Harmonie, die wir bei der Klassik sowie Pop&Rock finden, ist westlicher
Natur. Viele Künstler kombinieren die westlichen mit östlichen oder auch
südlichen Strukturen. Find ich sehr interessant und oftmals treibender,
doch gefallen mir die einfacheren westlichen Sounds besser. Besonders
bei extrem monoton geprägten Rhythmus- und Soundstrukturen, überlagert
mit schwebenden Klängen wird mein Inneres bewegt. Durch die Musik anderer
Kulturkreise hab ich dieses Gefühl bis jetzt noch nicht erfahren. Obwohl
melancholische Musik überall auf der Welt zu finden ist, gefällt mir der
‚westliche Nachkriegssound' am besten.
Vor nicht allzu
langer Zeit gab es mal eine Diskussion um die Leitkultur (die das debil
mit der "Lightkultur" persifliert). Könnt Ihr mit diesem Begriff etwas
anfangen und wenn ja, was bedeutet er für Euch?
Mit diesem Thema habe ich mich noch nicht allzusehr beschäftigt. In der
Menschheitsgeschichte gibt es stets ‚Kulturen' oder ‚Leitsysteme', die
extremer oder unterschwelliger Art die Bevölkerung lenken. An sich versuchen
wir so unbeeinflusst von dieser Macht unsere eigenen Wege zu finden und
zu gehen. Dabei ist mir nie so klar, inwieweit wir wirklich von dieser
Macht in unseren Entscheidungen geleitet werden. Einige Leute denken sich
von einer geistigen Beeinflussung befreien zu können, indem sie einfach
und in irgendeiner Weise gegen das herrschende System angehen. In der
vergangenen deutschen Innenpolitik ist dieser Begriff im Zusammenhang
mit in Deutschland lebenden Leuten anderer Nation gefallen. Naja, oft
kann eine Anpassung an gegebene Umstände von Vorteil sein und den Frieden
fördern. Letzten Endes werden Menschen von Natur aus angepasst an ihre
Umgebung. Persönlich empfinde ich Kulturen als sehr interessant und lehrreich.
In meinen eigenen vier Wänden möchte ich aber nur meine eigene Kultur
wieder finden.
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