Ebenfalls auf der Website beschreibt Ihr die Musik von ECHO WEST als ein Echo Eurer persönlichen Erfahrungen. Könnt Ihr uns an einigen einschneidenden oder wichtigen Erfahrungen teilhaben lassen? Wie wirken sich diese auf Euer Schaffen aus?
Wir haben gute und weniger gute Situationen in unserem Leben erfahren und hoffentlich werden es mehr Gute in der Zukunft sein. Es sind bestimmt mehr die weniger guten Erfahrungen des Lebens, die uns zu dieser Musik inspirieren. Ins Detail möchte ich da jetzt nicht gehen.

Gibt es ein übergeordnetes inhaltliches Konzept für das Projekt? Wenn ja, wie sieht dieses aus?
Bei ECHO WEST geht es in erster Linie um die Musik und um unseren eigenen Spaß an der Sache. Vom Inhalt her ist ECHO WEST sehr breit gefächert. Von Liebesliedern bis zur Verherrlichung des menschlichen inneren Dunklen ist alles drin. Dabei gibt es jedoch eine Grenze. Das Leben wird geachtet und die Fahne der Liebe hoch gehalten. Gegenseitiger zwischenmenschlicher Respekt soll soweit möglich, gegeben werden. ECHO WEST umfaßt mehr unsere sozialen Erfahrungen. Die mir persönlich sehr wichtige Liebe zur Erde kommt dabei nicht direkt zum Ausdruck.

Noch etwas nachgebohrt: Womit beschäftigen sich Echo West-Songs thematisch? Was hat es mit der "dadaistischen Kunstsprache" auf sich, die Ihr manchmal verwendet?
Innerer Schmerz und Liebe in alle ihren Facetten, das alltägliche Leben in der oft grauen und auch bunten Stadt, die Freude an melancholischen Gefühlen und persönlichen Schattenseiten sind stets wiederkehrende Themen. Bei zwei Stücken hatte ich keinen Nerv auf korrektes Englisch. Bei dem Gedanken ans Zuchthaus ist z.B. der Begriff ‚Sokarey' entstanden. In dem Stück ‚Baktira Dora' hab ich das unter Alkoholeinfluß auf die Spitze getrieben. Anstatt einem leiernden Gegrunze sind dann noch halbwegs verständliche Töne/Worte? hinzugekommen.

Eure Musik hat starke 80ies-Einflüsse. Liegt das an Eurer musikalischen Sozialisation oder einfach nur an der Wahl Eurer Tongeber? Ihr nennt als Einflüsse "die 80er-Neon-Untergrundgeneration, insbesondere … Gruppen wie A Blaze Colour, Dark Day, League Of Nations, Iron Curtain, Ceramic Hello". Bis auf Erstere sagen mir die Namen überhaupt nichts. Könnt Ihr uns mehr zu dieser Szene erzählen?
Da kommt bestimmt alles zusammen, was mit den 80ern zusammenhängen kann. Doch ist es insbesondere eine musikalische Vorliebe für die Sounds dieser Zeit. Eine Szene unter den alten Musikern gab es glaub ich nur bis zu einem bestimmten Grad. Die Leute in Benelux, A BLAZE COLOUR, VAN KAYE & IGNIT, NINE CIRCLES, SNOWY RED, ABSOLUTE BODY CONTROL etc. kannten sich untereinander bestimmt ganz gut. Mark Lane hat früher schon mal mit THE KLINIK zusammengearbeitet und CERAMIC HELLO, Brett Wickens, entwarf oder entwirft noch Cover für NEW ORDER. DARK DAY, Robin Lee Crutchfield, war in der New Yorker No-Wave / New Wave Szene unterwegs und macht oder machte bis vor kurzem noch Musik. Die andern beiden Gruppen sind von der Westküste der Staaten. Über die Leute ist mir arg wenig bekannt, nur das sie genialste Musik kreiert haben. IRON CURTAIN wurde von Steve Fields betrieben und es gibt unter seinem Namen auch noch gute offizielle und inoffizielle Veröffentlichungen. Zu meiner Zeit als Vinyljunkie waren das mitunter meine Highlights im Sammelwahn. Zu der Seltenheit der Vinylobjekte gesellte sich eine musikalische Qualität, die bis heute nichts eingebüßt hat und niemals einbüßen wird, so dass es sich bei den originalen Platten für mich wirklich um kleine Schätze handelt.

Zu ECHO WEST gehört noch eine dritte Person, Claudia Ziplies. Ihre Mitwirkung beschreibt Ihr als Stimme, Artwork, Visionen. Während ich mir zu den ersten beiden Punkten etwas Konkretes vorstellen kann, möchte ich zu den "Visionen" noch Genaueres wissen.
Da ich mit Claudia sehr viel Zeit verbringe, werde ich auch stets durch Ihr Wesen inspiriert. Oftmals äußert Sie Gedanken und Ideen für Covergestaltung etc. Der Titel der letzten Echo West Platte z.B. basiert auf Ihrem Vorschlag. Damit Ihr Engagement öffentliche Würdigung erfährt, sehe ich dies als Ihre Vision für das Projekt.

Wie muss man sich die Arbeitsweise von ECHO WEST überhaupt vorstellen? Wie funktioniert Eure Zusammenarbeit, untereinander und mit Claudia?
Bis jetzt hab ich sämtliche Stücke geschrieben und von Adrian kommt die livetechnische Unterstützung. In der nahen Zukunft wird dies erweitert, indem Adrian auch kreierende Parts übernimmt. Zudem bringt Adrian Ideen zur Bühnenpräsenz mit ein, wie z.B. Lichtstrahler. Claudias Parts sind abhängig von ihrer Zeit und ob ihr ein Stück vom Sound her gefällt. Bei der neuen Echo West Platte konnte Sie leider nicht mit teilnehmen.

Als Klangschaffender existiert man nicht im luftleeren Raum. Habt Ihr einen wie auch immer gearteten Szene-"background" oder seid Ihr eher Individualisten?
Jahrelang haben wir uns in der Wave-Szene des Ruhrgebiets bewegt, bis es uns überdrüssig wurde. Seit dem gehen wir eher eigene Wege und lassen uns nur begrenzt von Außen beeinflussen. Der langjährige Konsum spezieller Musik hat uns einen musikalischen Background gegeben, auf dem wir aufbauen und unsere Ideen verwirklichen können.


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